Das Rechtsdenken Pierre Bourdieus

  • herausgegeben von Andrea Kretschmann
  • Erscheinungsdatum: 15.03.2019
  • Buch
  • 250 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783958321472
noch nicht erschienen
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Beschreibung


Pierre Bourdieu ist ein Klassiker der Soziologie; er gilt als der meistzitierte Soziologe der Nachkriegszeit. Sein Rechtsdenken ist jedoch – selbst innerhalb des frankophonen Wissenschaftskontextes – immer noch relativ unerschlossen. Hierzu mag einerseits die Bruchstückhaftigkeit seines Rechtsdenkens beitragen (Bourdieu hat sich nie systematisch mit dem Recht auseinandergesetzt), andererseits der Umstand, dass sich seine Thesen erst vor dem Hintergrund seines Gesamtwerks erschließen. Hinzu kommt, dass sich seine Rechtssoziologie keiner rechtstheoretischen Strömung zuordnen lässt. 

Bourdieus Auseinandersetzung mit dem Recht birgt für die sozialwissenschaftlich ausgerichtete Rechtsforschung jedoch einiges an Potenzial, um die Rolle und Funktionsweise des Rechts in Gesellschaften besser verstehen und erklären zu können; auch wenn er hierbei weder ausformulierte Soziologiken noch empirisch fundierte Analysen beibringt. So wusste Bourdieu etwa auch im Recht Subjektkonzeptionen mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen zu verweben, er legte konzeptionelle Hinweise auf die Verzahnung von rechtlicher Struktur und professioneller und alltäglicher Praxis zugrunde, oder er kombinierte strukturelle und symbolische Qualitäten von Recht. Gelesen in Verbindung mit seinem übrigen Werk hält er so einen reichhaltigen Fundus bereit, aus dem sich rechtssoziologisch schöpfen und der sich weiterentwickeln lässt. 

Der in Kürze bei Velbrück Wissenschaft erscheinende Sammelband „Pierre Bourdieus Rechtsdenken“, herausgegeben von Andrea Kretschmann, nähert sich Bourdieus Rechtsdenken systematischen an. Zu diesem Zweck werden einschlägige Texte Bourdieus zum Recht erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht und an Bourdieus Rechtsdenken angelehnte sozialtheoretische und empirische Beiträge aus der deutschsprachigen und der französischsprachigen Wissenschaftskultur versammelt. Beiträge aus Soziologie, Geschichte, Politik- und Rechtswissenschaften setzen sich mit Bezug auf das Recht mit Bourdieus Grundbegriffen auseinander und zeigen auf, wie sich diese innerhalb der einzelnen Disziplinen für empirische Analysen nutzbar machen lassen. 

Der Band will so einen Beitrag zu der sich allmählich entwickelnden Auseinandersetzung mit Bourdieus konzeptionellen Werkzeugen für theoretische und empirische sozialwissenschaftliche Analysen des Rechts leisten. Er richtet sich an RechtssoziologInnen, mit dem Gegenstand ‚Recht’ befasste SozialwissenschaftlerInnen anderer Disziplinen, ebenso wie an SoziologInnen und SozialwissenschaftlerInnen, die sich allgemeiner mit Bourdieus Werk beschäftigen. Nicht zuletzt adressiert der Band auch rechtssoziologisch interessierte RechtswissenschaftlerInnen.

Andrea Kretschmann


Andrea Kretschmann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Co-Leiterin des Forschungsschwerpunkts »Theorie und Praxis des Politischen« am deutschfranzösischen Forschungsinstitut Centre Marc Bloch (An-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Rechts- und Kriminalsoziologie und der soziologischen Theorie. 2016 erschien bei Velbrück Wissenschaft ihre Dissertationsschrift »Regulierung des Irregulären. Carework und die symbolische Qualität des Rechts«.