Magazin 02/2004

Utopie neu denken

Plädoyer für eine Kultur der Inspiration

Das Thema Utopie hat derzeit keine Konjunktur. Statt utopischen Überschwangs regiert allenthalben Pragmatismus. Die schwierigen Probleme in Politik, Gesellschaft und Kultur – der Umbau des Sozialstaats und der Konflikt der Kulturen, die Regelung des Machtungleichgewichts im Staatensystem und das wachsende Gefälle zwischen Nord und Süd, die drängenden Umweltprobleme und die Leichtfertigkeit des Umgangs mit ihnen – verlangen konkrete und wirksame Lösungen und nicht utopische Gegenbilder einer heilen Welt. Mit Lebensformen, die heutzutage ihre Zukunftsfähigkeit einzubüßen beginnen, sind auch die einst in sie eingegangenen Sehnsüchte und Hoffnungen obsolet geworden. Das Vertrauen in die Regelungskompetenz des Staates ist geschwunden. Die ökonomische Sphäre der Märkte hat sich mehr denn je dem staatlichen Zugriff entzogen und ihre zügellose Dynamik bietet eher Anlaß zu Kritik, als daß sie noch Potential der Hoffnung auf Wohlstand für alle wäre. Erhebliche Veränderungen in den Lebensumständen (zum Beispiel demographischer Art) führen zu neuen Unsicherheiten und generieren einen deutlichen Handlungsbedarf. Bislang ist es jedoch nicht gelungen, diese Unsicherheiten durch ein übergreifendes, inspirierendes und konsensfähiges Ziel einer neuen Lebensform zu kompensieren. Der gebieterische Pragmatismus problemlösenden Handelns paart sich mit einer eigentümlichen Abwesenheit handlungsstimulierender Vorstellungen, die ein adäquates Pendant zu den obsolet gewordenen kulturellen Leitvorstellungen der Nachkriegszeit darstellen könnten. Zum vollständigen Artikel (pdf)


Aus: Michael Fehr, Jörn Rüsen
Die Unruhe der Kultur - Potentiale des Utopischen

  • 29,00 € *

ISBN 9783934730779