Magazin 07/2005

Wider eine gewisse europäische Selbstgerechtigkeit: Europa im Zeichen der Feindschaft

Ungezählte, mühselige Anstrengungen sind unternommen worden, Europa eine einheitliche politisch-rechtliche Gestalt zu geben. In vielen einschlägigen, fast ausnahmslos europafreundlichen Schriften, die zu diesem Prozess beigetragen haben, wurde immer wieder unterstellt, Europa bleibe zwar in vielen Hinsichten noch zu verwirklichen, aber was als Zukunft Europas zu verwirklichen ist, stehe wenigstens dem Sinn nach fest. Genau diese Erwartung ging offenbar mit der Verabschiedung einer gemeinsamen europäischen Verfassung einher. Was nur noch zu verwirklichen ist, hat seine Geschichte im Wesentlichen bereits hinter sich und ist insofern tatsächlich eine Angelegenheit der Vergangenheit, die das zu Verwirklichende als solches bereits vorwegnimmt. Henri Bergson sprach mit Blick auf Zeitvorstellungen, wie sie hier einfließen, einmal von einer »Präformation des Neuen im Alten«, die er als Leugnung »wirklicher Entstehung« von Neuem auffasste. Indem man nur noch die »Verwirklichung« Europas beschwört, macht man Europa im gleichen Zug zu etwas dem Sinn nach Abgeschlossenem. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 07/2005

Die Psychoanalyse – Eine zeitgemäße Wissenschaft?

Erfolg und Krise der Psychoanalyse

In einer breit gestreuten Umfrage, die das »Life Magazine« zur Jahrtausendwende durchgeführt hat, wurde nach den wichtigsten Ereignissen und den wichtigsten Personen des Jahrtausends gefragt. Die Publikation der »Traumdeutung« 1900 kam dabei auf den 32. Platz, ihr Autor, S. Freud, direkt nach Darwin, Galilei und Kopernikus auf den achtundzwanzigsten.
Die Nachbarschaft hätte Freud gefallen. Er hat die Psychoanalyse als die dritte große Zumutung für das menschliche Selbstbewusstsein angesehen: durch Darwin in der Frage der Abstammung, durch Kopernikus in der Frage nach der Stellung im All desillusioniert, wurden durch die Entdeckung des Unbewussten das menschliche Bewusstsein und die Souveränität des Ichs entthront.
Freud konnte an Vorläufer anknüpfen. Die romantische Naturphilosophie, insbesondere Schelling, und die Vernunftkritik Schopenhauers und Nietzsches, die zu einer Würdigung der Triebnatur des Menschen führten, sind hier zu nennen (Marquard 1987). In der Literatur des 19. Jahrhunderts spiegelt sich die Irritation durch unbewusste Handlungsmotivationen und ein nicht artikuliertes Begehren – stellvertretend sind Goethes immer noch höchst lesbaren »Wahlverwandtschaften« des Jahres 1808 zu nennen, in denen explizit von »unbewussten Erinnerungen« die Rede ist und davon, dass »das Bewusstsein (…) keine hinlängliche Waffe, ja manchmal eine gefährliche (ist), für den der sie führt« (vgl. von Matt 1999).
Dennoch ist es erst Freud, der die Erforschung des Unbewussten systematisiert und zu einer Wissenschaft ausbaut. Der Nachweis, dass das eigene Wollen und Handeln sich in den Intentionen des Bewusstseins nicht erschöpft, dass Subjektivität auch und gerade an den Orten zutage tritt, wo man sie nicht vermutet, in scheinbar Nebensächlichem wie Fehlleistungen und Träumen oder scheinbar Defizientem wie Krankheitssymptomen – dieser Nachweis stellt die Bewusstseinstheorien in Philosophie und Psychologie grundsätzlich in Frage, die den Erfahrungshorizont mit den Grenzen des Bewusstseins gleichsetzen. Die Psychoanalyse – so wird rückblickend klar – reiht sich ein in die großen Denkansätze des 20. Jahrhunderts, die die jenseits der eigenen menschlichen Intention liegenden Bedingungen und Ordnungen des menschlichen Lebens herausarbeiten, seien es nun die vorsubjektiven Strukturen im Strukturalismus, die vor aller Reflexion liegenden Weisen des In-der-Welt-seins in der Existenzialphilosophie, die gesellschaftlichen Diskurse, die sich in das Denken des Individuums einschreiben, in der Diskursanalyse, oder den Vorrang des Gesprächs vor dem individuellen Denken in der Hermeneutik. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 08/2004

Giacomo Marramao: Öffentlichkeit und Erfahrung in der globalen Zeit

Universalistische Differenzpolitik

Die hier in Thesenform formulierten Überlegungen nehmen ihren Ausgang vom vitalsten und fruchtbarsten - das heißt konzeptionell und politisch praktikabelsten - Aspekt der Kritischen Theorie: dem Zusammenhang von Öffentlichkeit und Erfahrung, der die kritisch-emanzipatorische Dimension und die Dynamik der Konstitution der Subjektivität innerhalb konkreter Lebenswelten umreißt. Die Deutungen dieses Zusammenhangs gehen bekanntlich bei Oskar Negt und Jürgen Habermas weit auseinander und bilden zwei unterschiedliche Lesarten der gegenwärtigen Phase des Übergangs zur "postnationalen Konstellation" oder - um eine Formulierung von Philippe Schmitter zu verwenden - zu einer "Ordnung, die über Hobbes hinausweist", nämlich die Globalisierung. Inwieweit ist es möglich, auch unter den neuen Gegebenheiten Oskar Negt zu folgen, der im Laufe der letzten dreißig Jahre mit außerordent-licher theoretischer Intensität und politischer Leidenschaft die mikrologische Analyse Adornos und die wissenschaftsskeptische Erkenntnistheorie des Nicht-Identischen, des Verdrängten und des Unerforschten aktualisiert hat, um eine Gegen Geschichtsphilosophie des Widerstands (längst nicht mehr nur der Industriearbeiterschaft) gegen die scheinbar unaufhaltsame Welle der weltumspannenden Moderne zu entwerfen? Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 02/2004

Utopie neu denken

Plädoyer für eine Kultur der Inspiration

Das Thema Utopie hat derzeit keine Konjunktur. Statt utopischen Überschwangs regiert allenthalben Pragmatismus. Die schwierigen Probleme in Politik, Gesellschaft und Kultur – der Umbau des Sozialstaats und der Konflikt der Kulturen, die Regelung des Machtungleichgewichts im Staatensystem und das wachsende Gefälle zwischen Nord und Süd, die drängenden Umweltprobleme und die Leichtfertigkeit des Umgangs mit ihnen – verlangen konkrete und wirksame Lösungen und nicht utopische Gegenbilder einer heilen Welt. Mit Lebensformen, die heutzutage ihre Zukunftsfähigkeit einzubüßen beginnen, sind auch die einst in sie eingegangenen Sehnsüchte und Hoffnungen obsolet geworden. Das Vertrauen in die Regelungskompetenz des Staates ist geschwunden. Die ökonomische Sphäre der Märkte hat sich mehr denn je dem staatlichen Zugriff entzogen und ihre zügellose Dynamik bietet eher Anlaß zu Kritik, als daß sie noch Potential der Hoffnung auf Wohlstand für alle wäre. Erhebliche Veränderungen in den Lebensumständen (zum Beispiel demographischer Art) führen zu neuen Unsicherheiten und generieren einen deutlichen Handlungsbedarf. Bislang ist es jedoch nicht gelungen, diese Unsicherheiten durch ein übergreifendes, inspirierendes und konsensfähiges Ziel einer neuen Lebensform zu kompensieren. Der gebieterische Pragmatismus problemlösenden Handelns paart sich mit einer eigentümlichen Abwesenheit handlungsstimulierender Vorstellungen, die ein adäquates Pendant zu den obsolet gewordenen kulturellen Leitvorstellungen der Nachkriegszeit darstellen könnten. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 02/2004

Unternehmenskultur

Die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen

Was beobachten wir, wenn wir das beobachten, was wir »ein Unternehmen« nennen? Gebäude, Maschinen, Büros, oder Mitarbeiter, Führungskräfte, Bilanzen? Oder besteht ein Unternehmen gar, wie N. Luhmann und seine Schüler meinen, ausschließlich aus Entscheidungen? Unternehmen, das dürfte konsensfähig sein, sind keine statischen Gebilde, die man in Gänze beobachten könnte. Was wir allerdings beobachten und nach verfolgen können, sind Prozesse und Träger von Prozessen in konkreten Kontexten. Drei Typen von Prozessen dürften für »Unternehmen« von besonderer Bedeutung sein: Beobachtungs-, Kommunikations- und Entscheidungsprozesse. Diese Prozesse laufen nicht willkürlich oder ungeordnet ab, sondern sie sind in sich geordnet und aufeinander bezogen. Akzeptiert man diese Annahme, dann eröffnet sich eine Möglichkeit der theoretischen Modellierung von »Unternehmen« als Prozess-System, das aus Prozess-Systemen besteht. Jedes dieser Prozess Systeme folgt seiner spezifi-schen Logik, die keineswegs immer rational ist. Mit dieser ersten Modellierung gewinnen wir drei Beobachtungsperspektiven auf das, was wir »Unternehmen« nennen. Daraus folgt zweierlei:
- Unternehmen »gibt« es ausschließlich in der beobachtenden und beschreibenden Bezugnahme auf ablaufende Prozesse, denen Beobachter in der Bezugnahme eine Beobachtungs- und Beschreibungsstruktur aufprägen.
- Prozesse können von den Prozess-Trägern selbst (Selbstbeobachtung) oder von externen Beobachtern beobachtet werden (Fremdbeobachtung). Die dabei resultierenden Beobachtungen dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Die drei genannten Prozess-Systeme operieren reflexiv. Das heißt, jeder in einem Unternehmen Handelnde (Aktant) weiß, dass er nicht nur andere beobachtet, sondern auch von anderen beobachtet wird; kurzum, Aktanten in Unternehmen sind beobachtete Beobachter. Kommunikationsprozesse sind reflexiv, weil sie nur in Interaktion mit anderen Aktanten durchgeführt werden können und erst dann sinnvoll sind, wenn die Kommunikationspartner wechselseitigaufeinander reagieren. Und Entscheidungen sind insofern reflexiv, als sie aus Entscheidungen hervorgehen und nachfolgende Entscheidungen präfigurieren. Die drei genannten Prozess-Systeme sind komplementär, da sie sich gegenseitig konstituieren. Beobachtetes wird mitgeteilt und Mitgeteiltes beobachtet, bestimmte Beobachtungen erzeugen Entscheidungsbedarf, und Entscheidungen müssen kommuniziert werden, um wirksam zu werden, und können als mitgeteilte Entscheidungen wiederum beobachtet und kommuniziert werden, und so fort. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 02/2004

Vertragsdenken und Utopie

nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus

Heute wird, besonders in den neuen Bundesländern, viel vom Erneuerungsprozeß gesprochen, der sich in Staat und Gesellschaft Bahn brechen müsse. Eine Erneuerung aber, so scheint mir, ist nicht möglich, wenn unklar bleibt, warum die marxistisch-leninistischen Herrschaftssysteme scheiterten und warum zur gleichen Zeit der Verfassungstypus »westliche Demokratie«, zumindest in Europa, einen scheinbar unaufhaltsamen Siegeszug angetreten hat. Gewiß, diese Entwicklung wurde durch ein komplexes Geflecht innen- und außenpolitischer Faktoren mitbewirkt, die hier nicht weiter diskutiert werden können. Doch darüber hinaus gibt es auch Erklärungsmuster, die in einem bestimmten politischen Denken verankert sind. Die große Herausforderung der politischen Ideengeschichte sehe ich darin, die Begründungszusammenhänge seiner jeweiligen zentralen Kategorien in ihrem historischen Kontext bis zur Gegenwart freizulegen.
Ausgehend von meinen ideengeschichtlichen Forschungen möchte ich die These aufstellen, daß es seit der frühen Neuzeit einen vertragstheoretischen und einen utopischen Weg in die Moderne gab, die jeweils spezifische Denkformen und Gesellschaftstheorien hervorgebracht haben. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 09/2003

Zugemutete Angebote, angebotene Zumutungen

(Politische) Aufklärung unter den Bedingungen von Ungewissheit

Talkshows sind eine der charakteristischen ›Erfindungen‹ einer massenmedial geprägten Moderne. Ihre Allgegenwart im Fernsehen verweist neben der vergleichsweise billigen und unaufwendigen Herstellung auf (neue) kognitive und soziale Problemlagen. Mit ihrer Serialität haben sich Talkshows von einer aus dem Alltag herausgehobenen zu einer lebensbegleitenden Öffentlichkeit verändert, an der jeder durch Knopfdruck teilhaben kann.1 Sie stehen im Zeichen einer vielfach diagnostizierten Veröffentlichung des Privaten, ja, des Voyeurismus wie eines Wandels der Politik von einer Teilhabe- zu einer Zuschauerdemokratie. Sie reflektieren aber auch gesellschaftliche Erfahrungen von ungewisser und unsicherer Zukunft, wie sie in den letzten Jahren unter Stichworten wie Desorientierung, Unübersichtlichkeit, Risiko in einen öffentlichen Diskurs eingegangen sind, der zunehmend in mediengerechten Inszenierungen stattfindet. Talkshows übernehmen die Funktion traditioneller (Vermittlungs-)Institutionen, wie Kirche, Nachbarschaft, Stammtisch und Familie, in denen Selbstvergewisserung, Aufklärung und Beglaubigung bislang stattfinden konnten. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 09/2003

Eine neue Frankfurter Schule

Zum 100. Geburtstag Theodor W. Adornos

Zum 100. Geburtstag des Frankfurter Soziologen und Philosophen Theodor W. Adorno ist auch zu fragen: Wer kann sein Erbe fortsetzen? Gibt es eine neue Linie der Frankfurter Schule? Jürgen Habermas hat schon früh eine eigene Richtung der kritischen Theorie eingeschlagen, die sich insbesondere in seiner »Theorie des kommunikativen Handelns« ausdrückt. Dieses vielbeachtete Werk gründet gerade nicht auf dem, was für Adorno im Zentrum gestanden hatte, nämlich auf lebendiger Erfahrung, die zur Dechiffrierung der inneren Sinnzusammenhänge bzw. Struktur-gesetze der Sachen selbst verhilft. Im Gegenteil: Habermas bleibt dem rationalistischen Erbe der Philosophie verhaftet; er geht immer schon von der Perspektive des rationalen Subjekts aus und versucht aus dieser seine Theorien zu entwickeln. Demgegenüber weist das interdisziplinär ange-legte Werk des Frankfurter Soziologen Ulrich Oevermann, das sich über die Sozialisationstheorie und -forschung, die Gesellschaftstheorie, die Religionssoziologie, die Ästhetik, die Kunst- und Musiksoziologie bis hin zu den Neurowissenschaften erstreckt, eine tiefe innere Verwandtschaft mit Adornos Denkungsart auf. Der Sache nach führt Oevermann grundlegende Gedanken und theoretische Überlegungen Adornos fort und hebt sie auf eine erfahrungswissenschaftliche Ebene. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 06/2003

Kultur des Wissens – natürlich begrenzt?

Der Naturalismus hat die öffentliche Meinung nicht nur erreicht, er hat sie in einer konzertierten publizistischen Aktion besetzt. Das deutsche Zentralblatt für Evolutionsbiologie, Genom- und Hirnforschung – ich spreche vom „SPIEGEL“ –, darin assistiert von anderen Zeitungen, hat die Kultur zum Naturgegenstand erklärt, ungeachtet der geisteswissenschaftlichen Angebote dieser Blätter.
Direkter Anlaß für diese Bemerkung ist ein Interview (SPIEGEL Nr. 33 vom 12.8.2002) mit dem Primatenforscher Frans de Waal („Tierkultur und Menschennatur“) zum Erscheinen seines Buches „Der Affe und der Sushi Meister. Das kulturelle Leben der Tiere“ als deutsche Übersetzung eines englischen Originals. (Der Titel verweist auf die Ähnlichkeit eines Lernens der Tiere durch Beobachtung von Artgenossen mit dem (angeblich untätigen) Lernen, das als Beobachten des Sushi-Meisters durch seinen Lehrling stattfindet.)

[...]

Um die Suggestion zu vermeiden, hier handle es sich um eine Art amerikanischer Verschwörung, läßt sich dieses publizistische Konzert auch um deutsche Stimmen erweitern. Gerade in Tages- und Wochenzeitungen äußern sich gerne angesehene deutsche Naturwissenschaftler, deren Imponierkulisse von der Präsidentschaft der DFG, der Max-Planck Gesellschaft oder des Hansekollegs bis zum Nobelpreis in Biologie reicht. Auch hier exemplarisch zwei Autoren: G. Roth, W. Singer (vgl. Literaturverzeichnis)
Nimmt man schließlich die Wirkung von Wissenschaftsmagazinen im Fernsehen hinzu, die ebenfalls exklusiv auf naturalistische Positionen fixiert sind, so darf ein erheblicher Einfluß auf die Öffentlichkeit angenommen werden, der seinerseits nicht ohne Rückwirkung auf Wissenschaft und Philosophie bleibt. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 06/2003

Das Dilemma des Identitätspostulats

Systeme« findet sich dagegen bislange nur eine kognitionspsychologisch nachjustierte Adaption der bewusstseinsphilosophischen Identitätstheorie (Psyche = Bewusstsein), die über weite Strecken der Subjektphilosophie entlehnt wurde und daher in einer Theorie, die mit der Subjektphilosophie bricht, problematisch wirken muss. Zugleich wird damit die Möglichkeit verspielt, die Psyche als ein intern differenziertes System zu beschreiben, denn das Bewusstsein »kennt« keine Subsysteme. Eine systemtheoretisch sicherlich nicht wünschenswerte Einschränkung, die bei einem Verzicht auf das Postulat von der Identität von Psyche und Bewusstsein vermieden werden könnte. Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 10/2002

Das Klima in den Köpfen der Menschen

Unser Beitrag beschäftigt sich mit einer Unterscheidung in der Wahrnehmung und im Umgang mit Klima, wie sie sich in modernen Gesellschaften feststellen läßt. Es ist dies die Unterscheidung zwischen alltäglichen und wissenschaftlichen Klima- und Wettervorstellungen. Die alltäglichen Eindrücke und Überzeugungen vom Klima – beispielweise von dessen Macht, die Bedingungen des menschlichen Lebens mitzubestimmen, die Entwicklungsprozesse menschlicher Gesellschaften, aber auch die Unterschiede zwischen den Menschen, etwa ihren wirtschaftlichen Erfolg, ihre Gesundheit oder ihr Wohlbefinden, kausal zu beeinflussen – reichen sehr viel weiter zurück als die von der Klimawissenschaft entwickelten Vorstellungen von Klima und Wetter. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 10/2002

Das terroristische Kalkül und seine Erfolgsaussichten

Auf einer Podiumsdiskussion in Zürich, an der ich vor einigen Monaten teilnahm, ging es um die Folgen des von den USA initiierten Krieges gegen den Terrorismus. Ich versuchte dem Publikum zu erklären, daß Terrorismus keine militärische Strategie im engeren Sinne sei. Terroristen versuchten vielmehr, den Gegner in Panik zu versetzen und zu einer Überreaktion zu verleiten. Von dieser erhofften sie sich eine Mobilisierung ihrer lauen Religions- oder Gesinnungsgenossen und den Beginn einer umfassenden kriegerischen Auseinandersetzung, aus der ihre Partei schließlich als Sieger hervorgehen werde.
Nach dem Ende der Diskussion kam ein junger Mann mit folgender Bemerkung auf mich zu: Ich verstehe Sie nicht; Sie unterstellen den Terroristen Rationalität, aber hat nicht die Niederlage der Taliban und der von Bin Laden aufgebauten Gefolgschaft in Afghanistan bewiesen, daß ihr Kalkül nicht aufgeht? Muß sich der islamische Terrorismus, wenn er auf die Provokation der USA zu einem militärischen Gegenschlag gesetzt hat, jetzt nicht geschlagen geben, weil der Heilige Krieg, der die gesamte islamische Nation umspannen sollte, ausgeblieben ist? Zum vollständigen Artikel (pdf)