Magazin 10/2002

Paradoxe Folgen des 11. September für die Weltpolitk

Der September 2001 hatte Gutes im Schlechten: Er unterbrach die Routine der Handlungsabläufe, die seit dem Untergang des realen Sozialismus und der Etablierung einer einzigen Supermacht Amerika ab 1990/91 überwog. Meine optimistische These mag zynisch klingen, da doch selbst eine harmlose Wandlung wie die Umstellung auf den Euro die Psychiater beschäftigte. Der Verlust des Sicherheitssymbols DM hat vor allem bei älteren Menschen Zukunftsängste, Depressionen, Schlafstörungen, steigenden Drogen- und Alkoholkonsum ausgelöst. Kein Wunder, daß eine neue psychologische Forschungsrichtung Furore macht, die Coping Psychologie, die sich mit erfolgreichen Bewältigungsstrategien für kollektiven Streß befaßt (Ernst 2002).
Die Umfragedaten von Allensbach rechtfertigten keine optimistische Prognose. Nur 42 % der Bundesbürger hatten für 2002 mehr Hoffnungen als Befürchtungen und Skepsis. Nur 1950 (das erste Jahr der Bundesrepublik im Routinebetrieb), 1971 (das erste Krisenjahr der sozialliberalen Koalition), 1974 (das Jahr des Sturzes von Brandt), 1980–83 (das Ende der sozialliberalen Koalition), 1996–97 (das Ende der Ära Kohl) lagen die Hoffnungswerte so niedrig wie für 2002. Aber der Vergleich ist auch hier tröstlich: Die Deutschen fürchteten kurzfristig das Euro-Jahr und erwiesen sich selbst in ihren privaten Einstellungen als nicht sehr innovationsfreudig. Als der Euro dann kam, traten sie ordnungsgemäß zur Verteilung der starter-kits an und fanden sogar Gefallen an den neuen bunten Scheinen, als ob es sich um Monopoly-Geld handelte. Zum vollständigen Artikel (pdf)

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