Magazin 10/2002

Das terroristische Kalkül und seine Erfolgsaussichten

Auf einer Podiumsdiskussion in Zürich, an der ich vor einigen Monaten teilnahm, ging es um die Folgen des von den USA initiierten Krieges gegen den Terrorismus. Ich versuchte dem Publikum zu erklären, daß Terrorismus keine militärische Strategie im engeren Sinne sei. Terroristen versuchten vielmehr, den Gegner in Panik zu versetzen und zu einer Überreaktion zu verleiten. Von dieser erhofften sie sich eine Mobilisierung ihrer lauen Religions- oder Gesinnungsgenossen und den Beginn einer umfassenden kriegerischen Auseinandersetzung, aus der ihre Partei schließlich als Sieger hervorgehen werde.
Nach dem Ende der Diskussion kam ein junger Mann mit folgender Bemerkung auf mich zu: Ich verstehe Sie nicht; Sie unterstellen den Terroristen Rationalität, aber hat nicht die Niederlage der Taliban und der von Bin Laden aufgebauten Gefolgschaft in Afghanistan bewiesen, daß ihr Kalkül nicht aufgeht? Muß sich der islamische Terrorismus, wenn er auf die Provokation der USA zu einem militärischen Gegenschlag gesetzt hat, jetzt nicht geschlagen geben, weil der Heilige Krieg, der die gesamte islamische Nation umspannen sollte, ausgeblieben ist? Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 10/2002

Paradoxe Folgen des 11. September für die Weltpolitk

Der September 2001 hatte Gutes im Schlechten: Er unterbrach die Routine der Handlungsabläufe, die seit dem Untergang des realen Sozialismus und der Etablierung einer einzigen Supermacht Amerika ab 1990/91 überwog. Meine optimistische These mag zynisch klingen, da doch selbst eine harmlose Wandlung wie die Umstellung auf den Euro die Psychiater beschäftigte. Der Verlust des Sicherheitssymbols DM hat vor allem bei älteren Menschen Zukunftsängste, Depressionen, Schlafstörungen, steigenden Drogen- und Alkoholkonsum ausgelöst. Kein Wunder, daß eine neue psychologische Forschungsrichtung Furore macht, die Coping Psychologie, die sich mit erfolgreichen Bewältigungsstrategien für kollektiven Streß befaßt (Ernst 2002).
Die Umfragedaten von Allensbach rechtfertigten keine optimistische Prognose. Nur 42 % der Bundesbürger hatten für 2002 mehr Hoffnungen als Befürchtungen und Skepsis. Nur 1950 (das erste Jahr der Bundesrepublik im Routinebetrieb), 1971 (das erste Krisenjahr der sozialliberalen Koalition), 1974 (das Jahr des Sturzes von Brandt), 1980–83 (das Ende der sozialliberalen Koalition), 1996–97 (das Ende der Ära Kohl) lagen die Hoffnungswerte so niedrig wie für 2002. Aber der Vergleich ist auch hier tröstlich: Die Deutschen fürchteten kurzfristig das Euro-Jahr und erwiesen sich selbst in ihren privaten Einstellungen als nicht sehr innovationsfreudig. Als der Euro dann kam, traten sie ordnungsgemäß zur Verteilung der starter-kits an und fanden sogar Gefallen an den neuen bunten Scheinen, als ob es sich um Monopoly-Geld handelte. Zum vollständigen Artikel (pdf)

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