Der Intendant kommt

Künstlernovelle

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2011
  • Hardcover
  • 144 Seiten
  • 21 x 13 cm
  • ISBN 9783937717654
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Beschreibung


Wieder hat sich ein Protagonist im Raum der Kunst gegen die Außenwelt verschanzt. Wieder beschreibt der Autor mit feiner Ironie, wie mit großem Ernst die 'Weltentfremdung' eines Werkes betrieben wird; wie jemand versucht, die Kunst aus den Grenzen der Nützlichkeit, ja der Wahrnehmbarkeit selbst zu befreien.
Ging es in 'Zweite Stimme' um die Bildende Kunst und das im wahrsten Sinne nebulöse Werk eines 'Spaziergangswissenschaftlers' und in der 'Tuba-Novelle' um einen Essay, der durch sein Nicht-Entstehen seinem Sujet am nächsten kommt, so steht im Zentrum dieser Novelle das Theaterstück ohne Publikum.
Ein Theaterwissenschaftler stößt zufällig auf das Werk des Regisseurs Joachim Schoor, genauer formuliert auf die Spuren dessen Wirkens. Dass dieser Schoor ein Revolutionär und Vordenker einer völlig neuen Theaterkultur ist, scheint nach kurzer Forschung unabweisbar zu sein. Die Quellenlage allerdings erweist sich als denkbar schlecht, da Schoor seine Stücke nicht für ein Publikum inszenierte, sondern – mit stiller Billigung des Intendanten – nachts arbeitete, wenn das Publikum gegangen war und lediglich der Nachtportier in der Pförtnerkabine per Lautsprecher dem Geschehen folgte.
Nachdem Schoor seine ersten Inszenierungen noch mit experimentierenden Studenten erarbeitet, kommt es wegen seiner zunehmenden Radikalität bald zu einem Aufstand gegen ihn, an dessen Ende er alleine am Inspizientenpult zurückbleibt. Von dort aus beginnt er nun die Welt jenes Nachtportiers zu erschüttern, mit Lautsprecherdurchsagen, die alle Räume des nächtlichen Staatstheaters durchdringen, bis schließlich – der Intendant kommt.

Mit 'Der Intendant kommt' schließt Wieczoreks Trilogie von Künstlernovellen. Verbarrikadierte Kunstarchive, ungeschriebene Essays, Stücke, die kein Zuschauer vor Augen bekommen soll: Das ist das Material, aus dem Wieczorek seine Novellen zimmert. Das Vergnügen jedenfalls, das diese feinsinnigen Texte über Nicht-Existentes dem Leser bereiten, lässt sich ganz real erleben!

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Rainer Wieczorek


Rainer Wieczorek
© Rainer Lind

Rainer Wieczorek, 1956 in Darmstadt geboren, lebt dort mit Frau und Tochter. Dem Genre der Künstlernovelle gab er im letzten Jahrzehnt neue Impulse, wofür er mehrere Literaturpreise erhielt, zuletzt den Martha Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Zur Autorenwebsite: https://rainer-wieczorek.com/

Lesungen 2021:

Aus »Im Gegenlicht: Heinz Sauer«

Frankfurt/M., 14.12.21 (Di), 20 Uhr Gethsemanekirche, im Rahmen der »Jazzinitiative Ffm«: Lesung – anschl. Gespräch mit Daniella Baumeister, Hessischer Rundfunk
Metternich, 2.11.21: 19.30 Uhr im Kulturhof Velbrück im Rahmen der »lit.eifel«
Darmstadt, 2.10.21: 19.30 Uhr in der Stadtkirche im Rahmen des »Literarischen Herbst«

 

Aus »Pirmasens«

Darmstadt, 3.12.21: 20.30 Uhr im Jagdhofkeller mit Klaus Rohmig
Hannover, 29.10.21: 17 Uhr im Kunstraum Sperling Friesenstraße mit Serena Amrein

Pressestimmen


Mit »Der Intendant kommt« hat Rainer Wieczorek seine Trilogie der Künstlernovellen vervollständigt. Es ist eine sprachlich gelungene Träumerei über das vergebliche Bemühen, auf der Theaterbühne unerkannt zu bleiben.
Jochen Schimmang, taz.
Als hätte er`s gewusst: Vor über 15 Jahren schrieb Rainer Wieczorek seine Novelle »Der Intendant kommt«, die gut in diesen November passt. Darin schafft das Theater sich selber ab, nein: Es findet zu sich selbst, indem das Publikum draußen bleibt. Nacht, wenn der Pförtner gegangen ist, beginnt die Truppe ihre geheimnisvollen Aufführungen, bei denen Zuschauer gar nicht mehr vorgesehen sind. Jetzt ist die Fantasie zur traurigen Wirklichkeit geworden, und es muss nicht einmal Nacht sein. Aktuell spielt Darmstadt vor leeren Sälen, aber an den Premierenterminen wird festgehalten [...]
Johannes Breckner, Darmstädter Echo, 20 Nov. 2020.