Klasse ist Herkunft und Zufall, Erbe und Schicksal, Zugehörigkeit und Ausschluss. Sie zeigt sich in den großen Unterschieden von Besitz und Macht ebenso wie in den feinen Unterscheidungen des Alltags: im Geschmack, in den Umgangsformen, in Bildung und Sprache, in Gesten der Verachtung und der Bewunderung. Soziale Grenzen werden weitergegeben und verteidigt, überschritten oder erst dann sichtbar, wenn man an ihnen scheitert. Wer blickt zu wem auf? Wer schaut auf wen herab? Und was macht es mit uns, wenn wir glauben, unseren Platz in der Welt zu kennen? Literatur der Gegenwart erzählt vielfach von geschlossenen Milieus und brüchigen Zugehörigkeiten, von Aufstieg und Ausgrenzung, von Scham und Stolz, Anpassung und Aufbegehren. Sie spürt den feinen Rissen zwischen Menschen nach, den Sehnsüchten, die über die eigene Herkunft hinausweisen, den Prägungen und Ausbrüchen sowie den unsichtbaren Schranken.
Die literarischen Beiträge der AKZENTE erkunden Klasse als Erfahrung, Prägung und Konflikt. Sie loten die Grenzen sozialer Zugehörigkeit aus – in den Texten ebenso wie in den Formen. Denn was uns trennt, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Und was uns verbindet, hebt die Unterschiede nicht unbedingt auf.