Was, wenn mit Bildung verbundene Emanzipationsversprechen an herrschaftliche Selbst:Erzählungen gebunden bleiben, die festlegen, wer als Mensch gilt und wer von diesem privilegierten Status ausgeschlossen und dementsprechend abgewertet wird? Simone Müller setzt bei dieser Beunruhigung an und entwickelt eine radikale Kritik anthropozentrischer Bildungsnormativität.
Ausgehend von dekolonialen und ökofeministischen Einsätzen rekonstruiert sie den Menschen als Herrschaftsidentität: als bürgerlich-kapitalistischen, euro-, andro- und anthropozentrischen Selbst:Entwurf, der sich als allgemein Menschliches ausgibt und seine Partikularität entnennt. Vor diesem Hintergrund wird analysiert, inwiefern kanonisierte Bildungsgeschichten, disziplinäre Praktiken, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, das emanzipatorische Versprechen Kritischer Bildungstheorie und poststrukturalistische Diskussionen um das ›Ende des Menschen‹ an anthropozentrische Selbst:Erzählungen gebunden bleiben. Auch ontologisch fundierte Posthumanismen geraten in den kritischen Blick: Sie verabschieden den Menschen zwar rhetorisch, reproduzieren ihn jedoch unter veränderten Vorzeichen.
Die Studie ist eine radikale, selbstkritische Intervention in akademische Bildungsdiskurse. Sie zeigt, dass tradierte Bildungsversprechen jenseits herrschaftlicher Selbst:Erzählungen des Menschen derzeit – und vielleicht grundsätzlich – unhaltbar sind.