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Der Genozid an den Herero

Krieg, Emotion und extreme Gewalt in Deutsch-Südwestafrika

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2018
  • Buch
  • 352 Seiten
  • ISBN 9783958321649
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Beschreibung


Seit es eine kritische Geschichtsschreibung zu »Deutsch-Südwestafrika« gibt, ist mit Blick auf die deutschen ›Pazifizierungskriege‹ gegen Herero und Nama (1904–1908) von ›Genozid‹ die Rede.
Während in der akademischen Debatte keine Zweifel bezüglich des ›Ob‹ bestehen, liegt hinsichtlich des ›Wie?‹ allerdings noch Manches im Dunkeln.
Auf Grundlage zum Teil noch unbekannter Quellen, etwa des handschriftlichen »Kriegstagebuchs« des berüchtigten Kommandeurs der südwestafrikanischen Schutztruppe, Generalleutnant Lothar von Trotha, nimmt die vorliegende Studie eine Rekonstruktion des Krieges zwischen Herero und Deutschen vor und legt dabei ihr besonderes Augenmerk auf die Entfesselung genozidaler Gewalt. Sie liefert eine dichte Beschreibung des Gewaltprozesses, die verschiedene Akteursgruppen, deren spezifische Handlungslogiken und Wechselwirkungen in den Blick nimmt und somit zeigt, dass das Gewaltgeschehen sehr viel stärker von Kontingenz geprägt war, als gemeinhin angenommen wird.

Matthias Häussler im Interview bei L.I.S.A. - Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung

Matthias Häussler


Matthias Häussler ist Wissenschaftler an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur.

Pressestimmen


Matthias Häussler stützt seine überzeugende Arbeit, die unrichtige Annahmen widerlegt, einen wichtigen Beitrag zur historischen Klärung des Genozids an den Herero im beginnenden 20. Jahrhundert leistet und damit zugleich eine probate Folie zur Untersuchung anderer Völkermorde anbietet, auf eine breite Basis an Literatur und Quellen, darunter das handschriftliche Original des Kriegstagebuchs Lothar von Trothas aus dem Archiv der Familie von Trotha. Unter anderem wertet er neben deutschen und britischen auch Archivbestände Namibias, der Republik Südafrika und Botswanas aus. Britisches Material kompensiert zum Teil die verlorengegangenen Aktenbestände der deutschen Schutztruppe und enthält als seltene Besonderheit auch zeitgenössische Stimmen der Herero und Nama. Für die geographische Orientierung sorgt der sich über zwei Buchseiten erstreckende Abdruck einer zeitgenössischen Karte Deutsch-Südwestafrikas im Maßstab 1: 3.150 000, die auch die Siedlungsgebiete der indigenen Stämme ausweist (S. 344f.).
Werner Augustinovic, Zeitschrift integrativer europäischer Rechtsgeschichte (ZIER) 9 (2019) 50.
Meine Forschungen führten mich nicht nur in Archive in Deutschland oder Namibia, sondern auch in Botswana, Südafrika oder England. Die großzügige Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglichte es mir, eigene Wege einzuschlagen. Zudem hatte ich das Glück, dass mir der Familienverband von Trotha als erstem Forscher Einsicht in das handschriftliche „Kriegstagebuch“ Lothar von Trothas gewährte.
Matthias Häussler im Interview bei L.I.S.A. - Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung
Dieses in jeder Hinsicht totale Desaster in all seinen Facetten nun umfassend beleuchtet zu haben, ist das große Verdienst Häusslers.
Thomas Speckmann, Der Tagesspiegel, Nr. 23 799.
Häussler liefert Antworten auf eine Frage, die weit über den Einzelfall hinausgeht: Wie eskaliert Gewalt? Während die juristische Genozidforschung nach einzelnen Verantwortlichen sucht und eine unterkomplexe Zwangsläufigkeit des Geschehens unterstellt, zeigt er: Nichts war hier programmiert. Der Gewalteskalation (der »Normalisierung der Abweichungen«) gingen militärisches Scheitern und Scham voraus. Nicht Soldaten trieben das Töten voran, sondern wirtschaftlich unselbständige, ängstliche Siedler.
Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2019.
Die Forschungsarbeit von Matthias Häussler zeigt durch die Heranziehung und Auswertung von bisher nicht, missverständlich oder falsch interpretierten Quellenmaterialien zum Umgang der Kolonialherren mit den Kolonisierten vornehmlich in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika nicht nur kolonialistische und rassistische Verhaltensweisen auf, sondern sie verweist auf darauf, dass »die Genozidforschung viel zu sehr darauf bedacht ist, Gewaltformen voneinander zu unterscheiden und den Blick auf bestimmte Formen einzuschränken, obwohl es darauf ankäme, die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Formen … zu erfassen«. Denn das könnte eine der wesentlichen (neuen) Erkenntnisse der Dissertation sein: »Genozide entwickeln sich aus Prozessen und stoßen Prozesse an«, weil sie eine Vorgeschichte haben und aus dieser sich Unmenschlichkeit bildet.
Jos Schnurer, socialnet.de, 17.01.2019.
Die sozialen Beziehungen zwischen ihnen [Kolonisten und Herero] waren durch Rassismus überformt: Die Europäer fühlten sich den primitien ›Wilden‹ überlegen und verachteten diese - zugleich aber fürchteten sie die Einheimischen und misstrauten ihnen zutiefst. [...] 1904 griffen die Herero zu den Waffen, um sich gegen Unterdrückung und den Verlust ihrer Existenz zu wehren. [...] Es wurde eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt; Gnade gab es auf keiner Seite mehr.
Alexandra Bleyer, Salzburger Nachrichten, 09.03.2019.
The book is recommended not only to all those who are committed to dealing appropriately with the Namibian-German past, but also to those who are directly involved in the ongoing bilateral negotiations between Germany and Namibia, in order to come to terms with the genocide of 1904 to 1908. A translation to English is planned.
Joachim Zeller, the Namibian, 16.04.2019.