Geregelte Außeralltäglichkeit

Deutungs- und Handlungsprobleme von Patienten mit Morbus Parkinson und ihren Partnern bei der Therapie durch Tiefe Hirnstimulation

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2014
  • Hardcover
  • 312 Seiten
  • Fadenheftung
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783942393584
lieferbar innerhalb von 2 Werktagen
Auf den Merkzettel

Beschreibung


Die Tiefe Hirnstimulation in der Therapie der Parkinsonkrankheit kann einen ambivalenten Effekt haben. Bei vielen Patienten kommt es zu einer geradezu dramatischen Verbesserung der Motorik, aber gleichzeitig klagen sie über eine subjektive Verschlechterung ihres Zustandes. Oft wird der Wiedereintritt in den Alltag durch psychosoziale Schwierigkeiten erheblich erschwert. Dazu können auch fortwährende Streitigkeiten innerhalb der Partnerschaft oder gar Trennungen und Suizide gehören. Noch immer werden derartige Fälle in der klinischen Literatur lediglich in Form von Einzelbeobachtungen beschrieben und nicht systematisch auf ihre Ursachen hin untersucht. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass Kommunikationsprobleme in Partnerschaft und Familie nicht mit den in der Neurologie derzeit vorherrschenden biologischen Theorien allein erklärt werden können. Eine Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften wie der klinischen Soziologie kann zu einem angemesseneren Verständnis der Probleme und zu einer besseren Betreuung der Parkinsonpatienten und ihrer Angehörigen führen.
Mit einer an Pragmatik und Sprechakttheorie geschulten Methode sowie einem kasuistischen, nicht-standardisierten Studiendesign leistet diese Arbeit einen Beitrag zur Aufklärung der nach Tiefer Hirnstimulation peri- und postoperativ auftretenden psychosozialen Probleme. In diesem Feld ist in besonderer Weise eine integrative Wissenschaft gefordert, die 'Kultur und 'Natur' nicht dichotom trennt, sondern sowohl die symbolische Dimension menschlichen Handelns als auch die funktionell-neuroanatomischen und pathophysiologischen Prozesse in ihrer Modellbildung – jenseits von neurowissenschaftlichem Lokalisationismus und nicht minder reduktionistischen psychosozialen Erklärungen – synthetisiert. Das Verhältnis von Körper und Geist ist hier im Lichte einer hochaktuellen therapeutischen Problematik der modernen Medizin thematisch.

Johannes Hätscher


Johannes Hätscher studierte Soziologie, Psychologie, Philosophie sowie Elektrotechnik in Frankfurt am Main und Berlin. Magisterarbeit über Durkheims Rezeption der Wundtschen Forschung und des deutschen Universitätssystems bei Prof. Ulrich Oevermann. Anschließend Stipendiat der Frankfurter Graduiertenschule. Die sowohl von soziologischer wie medizinischer Seite begutachtete Dissertation über die Tiefe Hirnstimulation entstand in Kooperation mit einem klinischen Zentrum für Neurochirurgie und Neurologie sowie einem neurologischen Rehabilitationszentrum. Studium der Fächer Soziologie, Psychologie, Philosophie und Elektrotechnik in Frankfurt/Main und Berlin; Promotion im Bereich der klinischen Soziologie als Stipendiat der Frankfurt Graduate School im Feld der Neurochirurgie; anschließend drei Jahre als Analyst in einer strategischen Unternehmensberatung sowie ein Jahr als Konferenzdirektor bei einer überregionalen deutschen Tageszeitung tätig; seit Februar 2015 Referent im Max Weber-Programm.