Resilientes Recht?

Synchronisationsprobleme, Rechtsformenwandel und Selbstbindung durch das Recht

  • herausgegeben von Stefan Böschen , Stefan May , Roman Thurn
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Buch
  • 250 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783958321601
noch nicht erschienen
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Beschreibung


Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass das Recht – neben kapitalistischen Märkten – eine der lernfähigsten Strukturen moderner Gesellschaften darstellt. Das Recht ist gleichsam darauf programmiert, jegliche Art gesellschaftlicher Probleme unter seine Architektur zu subsumieren.
Nun hat sich aufgrund des Risiko- und in der jüngsten Zeit auch des Transformationsdiskurses die Lage verändert. Nicht wenige vermuten, dass dadurch auch der Kern des Rechts berührt wird. Von daher nimmt es wenig Wunder, dass in der Zwischenzeit der Resilienzdiskurs, ausgehend von Psychologie und Ökologie, über die Sozialwissenschaften auch das Recht erreicht hat.
Zugleich ist es aufschlussreich, wie und in welcher Form die Resilienzdebatte Niederschlag im juristischen Diskurs selbst findet. Viele heben darauf ab, dass das Recht selbst schon eine resiliente Struktur darstelle. Jedoch ist diese Einsicht wenig relevant. Denn unter Bedingungen, in denen sich grundlegende Transformationen sozialer Ordnungen nicht nur empirisch abzeichnen, sondern darüber hinaus politisch gefordert werden (Stichwort: Große Transformation), kann es nicht mehr allein um die Eigenresilienz von Strukturen gehen. Vielmehr rückt die Kontextresilienz in den Blick. Diese Spannung wird an vier differenten empirischen Beispielfeldern des Rechts exploriert: Risikoverwaltungsrecht (Chemiepolitisches Feld), Medizinrecht (Bioethik-Kommissionen), Polizeirecht (Versicherheitlichung) und Kommunalrecht (Wasserpolitik). Dabei zeigt sich, wie anspruchsvoll die Gestaltung von Strukturen resilienten Rechts tatsächlich ist und an welche Voraussetzungen sie gebunden bleibt.

Stefan Böschen


Stefan Böschen

Stefan Böschen ist Professor für »Technik und Gesellschaft« am Human Technology Centre (HumTec) der RWTH Aachen. Forschungsschwerpunkte: Wissenschafts- und Technikforschung, Technikfolgenabschätzung, Theorie moderner Gesellschaften. Bei Velbrück Wissenschaft erschienen: Erzählung und Geltung. Wissenschaft zwischen Autorschaft und Autorität (2015, mit Safia Azzouni und Carsten Reinhardt).

Stefan May


Stefan May
Stefan May, Dr. phil. – Studium der Rechtswissenschaften und Philosophie in Berlin, München Tübingen. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen und der Magisterprüfung in Philosophie Promotion in Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München bei Prof. Dr. Ulrich Beck. Von 1999-2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU-München im Sonderforschungsbereich 536 'Theorie reflexiver Modernisierung'. Seit 2007 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Münchner Centrums für Governance-Forschung an der LMU-München; seit Juli 2012 an der Juristischen Fakultät der LMU München Forschungsschwerpunkte: Wissenschafts- und Risikosoziologie, Politische Soziologie, Rechtssoziologie. Ausgewählte Publikationen: (2004): 'Rechtspolitische Nebenfolgen und Entscheidungskonflikte der Biomedizin', in: Ulrich Beck und Christoph Lau (Hrsg.), Entscheidung und Entgrenzung. Was ist neu an der Theorie reflexiver Moderne?, Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 193-211; (2005): 'Herrschaft kraft Nicht-Wissen? Politische und rechtliche Folgeprobleme der Regulierung neuer Risiken', in: Soziale Welt, 56 (2005), S. 213-230; (2006): Nebenfolgen. Analysen zur Konstruktion und Transformation moderner Gesellschaften (zusammen mit Stefan Böschen und Nick Kratzer), Weilerswist: Velbrück-Wissenschaft; (2009): (Hrsg. zusammen mit Edgar Grande), Perspektiven der Governance-Forschung, Baden-Baden, Nomos; (2010): 'An den Grenzen des Wissens – entscheidungspolitische Wissenskonflikte und die Renaissance des liberalen Dezisionismus', in: Grenzen des Wissens – Wissen um Grenzen, Hrsg. v. Ulrich Wengenroth und Wolfgang Bonss, Velbrück-Wissenschaft, (2012).

Roman Thurn