Wissen - Nachricht - Sensation

Zur Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien

  • herausgegeben von Patricia Schulz , Peter Weingart
  • 1. Auflage 2014
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • Erscheinungsdatum: 01.01.2014
  • Hardcover
  • 424 Seiten
  • Fadenheftung
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783942393805
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Beschreibung


Die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien ist in mehr-facher Hinsicht problematisch: im Hinblick auf die Qualität öffentlicher Deliberati-on als Bedingung einer aufgeklärten Demokratie; im Hinblick auf die Qualität politischer Entscheidungen, die darauf aufbauen; im Hinblick auf die Prozesse und Verfahren der Erkenntnisgewinnung; und schließlich im Hinblick auf die Aufklärungs- und Kontrollfunktionen der Medien. Zusätzlich kompliziert wird das Ver-hältnis dadurch, dass es sich um ein System von Wechselbeziehungen handelt und nicht nur um eindimensionale und gradlinige Kausalitäten.
Es gibt keine Kommunikation des wissenschaftlichen Wissens in ›objektiver‹ Form, sondern immer nur in einer ›verhandelten‹ Form. Es kommt zu Übertreibungen und Dramatisierun-gen oder Unterlassungen und Verschweigen. In jedem Fall herrscht der ›interessierte‹ Um-gang mit dem Wissen vor, und zwar sowohl von Seiten der Politik als auch von Seiten der Wissenschaft.
Analoges gilt für die Kommunikation wissenschaftlichen Wissens an die Öffentlichkeit. Sie unterliegt strategischen Kalkülen (will Wählerstimmen und Forschungsgelder gewinnen). So kommt es zu spezifischen Selektionen. In den Medien wird vorrangig über Disziplinen und Forschungsergebnisse berichtet, die für ein breites Publikum besonders relevant (etwa Gesundheit, Medizin) oder besonders faszinierend (Astronomie) sind, während andere Gebiete marginalisiert werden.
Politisierung und Medialisierung der Wissenschaft werden besonders dann problematisch, wenn sie den besonderen Autonomieanspruch der Wissenschaft gegenüber den anderen gesellschaftlichen Teilsystemen einschränken. Wissenschaft, die politischer oder ökonomischer Kontrolle unterworfen wird, kann nicht effektiv dem Wahrheitscode entsprechend operieren.
Problembereiche wie die genannten sind Gegenstand der in diesem Band enthaltenen Bei-träge. Sie sind im Kontext der Arbeitsgruppe ›Wissenschaft, Öffentlichkeit, Medien‹ ent-standen, die von den drei Akademien Nationale Akademie Leopoldina, Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften und Nationale Akademie der Technikwissenschaften (acatech) eingesetzt worden ist, um den Forschungsstand zur Kommunikation über, durch und für die Wissenschaft zu erarbeiten.

Patricia Schulz


Peter Weingart geb. 1941; Studium der Soziologie und Ökonomie in Freiburg, Berlin und Princeton. Seit 1973 Professor an der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld. 1984/84 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. 1984/85 Visiting Scholar an der Harvard University. 1989 bis 1994 Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung (ZiF). Vorstand am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) an der Universität Bielefeld. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Vorsitzender des Graduiertenkollegs "Genese, Strukturen und Folgen von Wissenschaft und Technik" 1992 – 2009. Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT), Universität Bielefeld von 1993 – 2009. Weingart ist Inhaber einer Ehrenprofessur an der TU München im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften / Wirtschaftswissenschaften. Veröffentlichungen v. Peter Weingart bei Velbrück Wissenschaft: Die Stunde der Wahrheit?, 2001, 42011; Die Wissenschaft der Öffentlichkeit, 2005; Das Wissensministerium (Hg. mit Niels C. Taubert) 2006;Nachrichten aus der Wissensgesellschaft (mit Martin Carrier und Wolfgang Krohn) 2007; Wissen – Beraten – Entscheiden. Form und Funktion wissenschaftlicher Politikberatung in Deutschland (mit Justus Lentsch) 2008.

Peter Weingart


Peter Weingart
Justus Lentsch, Studium der Mathematik, Physik und Philosophie, Promotion in Philosophie. Von 2002 bis 2009 verschiedene Positionen im Wissenschaftsmanagement und an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung, u.a. am Institut für Wissenschafts- & Technikforschung (IWT), Universität Bielefeld; als freier Mitarbeiter an der Kennedy School of Goverment, Harvard University, und im Wissenschaftsmanagement der BBAW. Seit 2009 ist er Leiter der Stabsstelle Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs der Goethe-Uni Frankfurt. Peter Weingart geb. 1941; Studium der Soziologie und Ökonomie in Freiburg, Berlin und Princeton. Seit 1973 Professor an der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld. 1984/84 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. 1984/85 Visiting Scholar an der Harvard University. 1989 bis 1994 Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung (ZiF). Vorstand am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) an der Universität Bielefeld. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Vorsitzender des Graduiertenkollegs "Genese, Strukturen und Folgen von Wissenschaft und Technik" 1992 – 2009. Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT), Universität Bielefeld von 1993 – 2009. Weingart ist Inhaber einer Ehrenprofessur an der TU München im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften / Wirtschaftswissenschaften.

Pressestimmen


In der Fokussierung auf medientheoretische Fragestellungen, die auch immer das Verhältnis von Demokratie, Öffentlichkeit und Wissenschaft ansprechen, besteht die Stärke des Bandes […].
Jakob Tanner, Sociologia Internationalis, Bd. 55, 1 2018.
Im dritten Teil des Bandes werden drei Fallanalysen zu spannenden wissenschaftlichen Themen präsentiert, die zeitweise sowohl die populär- als auch die fachwissenschaftlichen Szenen beherrschten: nämlich das Waldsterben, die embryonale Stammzellenforschung sowie die Folgen der Medialisierung von Klimawandel und Evolutionstheorie. So unterschiedlich die Themenkarrieren und medialien Aufbereitungen verliefen, lassen sie doch übergreifende Muster erkennen.
MEDIENwissenschaft, 02/2015, Hans-Dieter Kübler.
Wenn Medien im demokratischen Diskurs oft als 'vierte Gewalt' bezeichnet werden, muss in einer wissenschaftlich orientierten Gesellschaft die Aufmerksamkeit auch darauf gerichtet werden, wie wissenschaftliche Produkte entstehen und als (teilnehmende) Informationen in die Gesellschaft transportiert werden. Dass es sich dabei um kontroverse Anforderungen und Auseinandersetzungen handelt, darüber referieren, reflektieren und diskutieren die fünfzehn Autorinnen und Autoren in kompetenter, fachbezogener und interdisziplinärer Form. Es ist eine wichtige, zeitgemäße, den Anonymisierungs-, Egoisierungs- und materialistischen Tendenzen entgegen stehende Auseinandersetzung, die darin gründet, dass "aus der Perspektive der Demokratietheorie [...] die Wissenschaft als Quelle gesicherten und rationalen Wissens die wichtigste Voraussetzung dafür [ist], dass die Bürger sich informiert darüber verständigen können, wie sie ihre Interessen miteinander und mit den materiellen Gegebenheiten in Übereinstimmung bringen können.
socialnet.de, 22.10.2014, Dr. Jos Schnurer.