Die Wissenschaft der Öffentlichkeit

Essays zum Verhältnis von Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2005
  • Paperback
  • 206 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783934730038
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Beschreibung


Das Verhältnis der Wissenschaft zu ihrer Öffentlichkeit und dessen Rückwirkungen auf die Wissenschaft genießt seit einigen Jahren besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für das gewachsene Interesse ist eine neue gesellschaftliche Stellung der Wissenschaft. Die Wissenschaft trägt nach wie vor die Züge eines Standes: Sie existiert in relativer Abgeschiedenheit, ihre internen Operationen bleiben der Öffentlichkeit fremd, bis sie ihre Wirkung in Gestalt konkreter Verfahren und Technologien entfalten, auf die Einfluss zu nehmen dann kaum noch möglich ist. Unterstützung für die Wissenschaft wird durch die Öffentlichkeit notgedrungen weitgehend 'auf Kredit' und 'guten Glauben' gewährt. Genau das scheint sich aber zu ändern. Die Forderungen seitens der Öffentlichkeit, artikuliert im politischen Diskurs und in den Medien, nach größerem Einfluss werden nachhaltiger. Daran muss sich die Wissenschaft gewöhnen. Noch ist ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit durch wechselseitige Versuche gekennzeichnet, die Kontrolle zu erlangen bzw. zu erhalten.
Zwei wechselseitig voneinander abhängige und aufeinander bezogene Entwicklungen lassen sich unterscheiden. Zum einen wird die Wissenschaft zum Gegenstand medialer Dauerbeobachtung. Die Innenwelt der Wissenschaft, ihre Verfahren der Konfliktlösung und der Qualitätssicherung, die Funktionsweise (und das Versagen!) ihrer Verhaltensnormen, die Konkurrenz der Wissenschaftler um Ansehen und Autorität, werden plötzlich öffentlich gemacht. Dabei wird 'die Wissenschaft' in der Öffentlichkeit und durch sie 'konstruiert', d.h. auf unterschiedliche Weise imaginiert und repräsentiert. In diesem Sinn kann man von einer Öffentlichkeit der Wissenschaft sprechen.
Zum anderen verändert sich die unter medialer Beobachtung stehende Wissenschaft. Indem sie auf die Erwartungen der Öffentlichkeit reagiert und sich anzupassen sucht, 'konstruiert' sie diese, ihre Öffentlichkeit. Diese Konstruktionen spiegelt sie in sich selbst, als Reaktionen auf vorgestellte Erwartungen. Sie wird 'medialisiert'. In diesem Sinn kann man von einer Wissenschaft der Öffentlichkeit sprechen.
Die Sammlung von Aufsätzen beleuchtet diese Prozesse in unterschiedlichen Ausprägungen und in ganz unterschiedlichen Kontexten. Es handelt sich um Vorträge, polemische Beiträge für Zeitschriften am Rande oder jenseits der wissenschaftlichen Fachkommunikation und auch solche, die dem üblichen Begutachtungsprozess der Kollegen unterworfen waren. Auch ein Märchen ist dabei. In diesem Sinn sind es Essays. Dem Thema entsprechend sind das Publikum dieses Bandes all diejenigen, die sich zur Öffentlichkeit der Wissenschaft im weitesten Sinn zählen, und wenn sie sich bei der Lektüre amüsieren, ins Fäustchen lachen oder ärgern, entspricht das den Absichten des Autors.

Peter Weingart


Peter Weingart
Justus Lentsch, Studium der Mathematik, Physik und Philosophie, Promotion in Philosophie. Von 2002 bis 2009 verschiedene Positionen im Wissenschaftsmanagement und an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Verwaltung, u.a. am Institut für Wissenschafts- & Technikforschung (IWT), Universität Bielefeld; als freier Mitarbeiter an der Kennedy School of Goverment, Harvard University, und im Wissenschaftsmanagement der BBAW. Seit 2009 ist er Leiter der Stabsstelle Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs der Goethe-Uni Frankfurt. Peter Weingart geb. 1941; Studium der Soziologie und Ökonomie in Freiburg, Berlin und Princeton. Seit 1973 Professor an der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld. 1984/84 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. 1984/85 Visiting Scholar an der Harvard University. 1989 bis 1994 Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung (ZiF). Vorstand am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) an der Universität Bielefeld. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Vorsitzender des Graduiertenkollegs "Genese, Strukturen und Folgen von Wissenschaft und Technik" 1992 – 2009. Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT), Universität Bielefeld von 1993 – 2009. Weingart ist Inhaber einer Ehrenprofessur an der TU München im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften / Wirtschaftswissenschaften.

Pressestimmen


Peter Weingart hat in seiner Untersuchung Spuren der Veränderung verfolgt und eindrucksvolle Indizien gesammelt. Für ihn kennzeichnen diese Indizien Gefährdungen der Wissenschaft und noch keinen Strukturwandel.
Soziologische Revue, 30. Jg. 2007, Christoph Lau.
Die Medien sind zu marktorientierten Dienstleistungsunternehmen geworden, welche sich zu einer die Wissenschaft beherrschenden Medialiseriung entwickelten. Die zunehmende Bedeutung der Medien (Einschaltquoten) führt zu immer neuen Öffentlichkeiten und einer Konkurrenz um die Aufmerksamkeit. [...] EIN SEHR LESENSWERTES BUCH.
Christoph Frhr. von Maltzahn, Das Historisch-Politsche Buch, 54 Jg. 2006, Heft 5.
Peter Weingarts in Jahren zusammen getragene Aufsätzen beleuchten diese Prozesse auf spannende Weise. Es handelt sich um Vorträge, polemische Beiträge für Zeitschriften am Rande oder jenseits der wissenschaftlichen Fachkommunikation...In diesem Sinn sind es Essays. Dem Thema entsprechend sind das Publikum dieses Bandes all diejenigen, die sich zur Öffentlichkeit der Wissenschaft im weitesten Sinn zählen, und wenn sie sich bei der Lektüre amüsieren, ins Fäustchen lachen oder ärgern, entspricht das den Absichten des Autors.
KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, August 2006.
Wissenschaft als gesellschaftliches (Teil-) System verfügt längst nicht mehr über den Nimbus, alleinige Hüterin wahren (objektiven) Wissens zu sein. Dieser Umstand - so der Bielefelder Wissenschaftssoziologe - beruht wesentlich auf der Medialisierung der Wissenschaft. (...) Weingart diskutiert die damit entstehenden Interferenzen von Wissenschaft und Öffentlichkeit an einigen typischen Fällen. Dazu gehören die Auseinandersetzung über die Humangenetik, Formen externer Leistungskontrolle von Wissenschaften und die neuerdings sehr aufmerksam registrierten Fälle wissenschaftlichen Betrugs.
MIR, Zeitschrift für Politikwissenschaften, 16. Mai 2006.
Den Gedanken des Autors zu folgen lohnt sich allemal. Er geht nicht nur auf die Wechselbeziehungen zwischen der Wisenschaft und den Medien ein, sondern ebenso auf die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, der Politik beispielsweise oder der breiten Öffentlichkeit. (...) Besonders beeindruckend beleuchtet der Verfasser die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Wissenschaft und Politik. (...). Die Lektüre vergegenwärtigt allen, die sich für Wissenschaft begeistern oder an ihr teilhaben, die enge Verbindung zu anderen gesellschaftlichen Gruppen und hilft darüber hinaus, sich über die eigene Rolle Klarheit zu verschaffen.
Gerhard Samulat, Spektrum der Wissenschaft, März 2006.