Farben sind besondere Medien der Kunst: Sie sind expressiv und gleichzeitig reflexiv, sie sind das Resultat spontaner Gesten wie komplexer Entscheidungsprozesse. Der Wahrnehmung begegnen sie als räumliches Zusammenspiel zwischen Oberfläche und Tiefe, das ihre Ambivalenz ausmacht. Die einzigartige Medialität der Farben und ihre epistemische Dimension stehen im Fokus des Bandes Farben Wissen.
»Die Farbe bleibt reflektiert im Geistigen als einzelne Erscheinung«: Mit diesem Satz Walter Benjamins lässt sich das epistemologische Paradoxon einer medialen Praxis – gemeint ist jene der Farbgebung und Farbwahrnehmung, die sich als singuläre Erscheinung und gerade dadurch als geistiges Gebilde kundtut – verdichtet darstellen. Von den Querelles des 17. und 19. Jahrhunderts, in denen über die Vorrangstellung von Farbe und Linie gestritten wurde, bis hin zu den Emanzipationsbestrebungen der Moderne, die die Farbe zum Primärmedium der Malerei erhoben, wurde die Dialektik zwischen Erscheinung und Reflexion von Farben immer wieder aufs Neue agonal durchdekliniert und durch unterschiedliche epistemologische Fragen neu konturiert.
Worin besteht aber die Medialität sowie die spezifische epistemische Qualität von Farben diesseit und jenseits dieser dialektischen Beziehungen? Welche Erkenntnis wird durch den künstlerischen Prozess und die Wahrnehmung von Farben in Gang gesetzt? Durch den vorliegenden Band, der die Beiträge eines gleichnamigen, 2025 im Museum Quadrat stattgefundenen Symposions versammelt, werden derartige eminent künstlerische sowie kunst- und medientheoretische Fragen interdisziplinär reflektiert.
Mit Beiträgen von Axel Buether, Alexandra Loske, Stephan Berg, Nicola Staeglich, Sabine Bartelsheim, Sarah Sandfort, Diana Schuster und Luca Viglialoro.