Medienästhetiken untersuchen Wahrnehmungs- und Kunstprozesse zumeist unter technischen Bedingungen. Die vorliegende Studie setzt dagegen methodisch bei einem dezidiert nichttechnischen Medienbegriff an und bezieht ihn auf eine ›Philosophie der Vermittlung‹, die unter anderem an Hegel, Adorno und Heidegger anschließt. Der Medienbegriff avanciert damit zu einem philosophischen Grundterminus. Im Zuge dessen wird auch die Rolle der Künste – mit Blick auf die Aufklärung von Mediationen – neu bestimmt.
Der Ansatz beruht zum einen auf der These der ›Negativität‹ des Medialen, das heißt der prinzipiellen Unerforschlichkeit und Unbestimmtheit seiner ›Mediationen‹ (Vermittlungen), zum anderen, damit korrespondierend, auf ihrer praktisch-relationalen Dechiffrierung. Dieter Mersch zeigt, dass mediale Praktiken als offene und zugleich nicht festlegbare Vollzüge zu verstehen sind. Deren performativer Modus besteht in der Auszeichnung der Präposition ›durch‹ (lat. ›per‹), die weder Zwecke oder Ziele noch Verfahrensweisen adressiert, sondern vor allem im Materiellen situierte Wirkungen und Wendungen (Perlokutionen). Diese taugen nicht zur Selbstreflexion, sodass sich die systematische Frage nach ihrer Aufklärung stellt.
Hier kommt die Ästhetik ins Spiel. Denn die grundlegende These des Buches ist, dass Mediationen bevorzugt durch künstlerische Strategien erhellt werden können, ja, dass Kunst ein ›Mediendenken‹ im doppelten Sinne eines medialen Denkens und eines Denkens des Medialen darstellt, das auf einzigartige Weise in der Lage ist, die Strukturen und medialen Prozesse der Konstruktion und Gestaltung unserer ›Welt‹ sichtbar, hörbar oder erfahrbar zu machen. Die Künste fungieren dadurch selbst als ›Philosophien des Medialen‹, und zwar nicht nur in dem Sinne, wie es Clement Greenberg für die Avantgarden reklamiert hatte, nämlich als perzeptive Reflexion auf ihre eigenen Bedingungen, sondern überhaupt auf die Vielfalt einer ›Vermitteltheit‹ des Realen.