Wege der Macht

Philosophische Machttheorien von den Griechen bis heute

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2017
  • Paperback
  • 170 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • Klebebindung
  • ISBN 9783958321298
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Beschreibung


Macht ist die Fähigkeit, andere seinen Interessen gefügig zu machen. Diese Definition bildet den Ausgangspunkt für eine kritische Gegenüberstellung von höchst unterschiedlichen und historisch weit auseinander liegenden Machtheorien aus dem Gebiet der politischen Philosophie von den griechischen Anfängen bis zur Gegenwart. Die Definition lässt sich sowohl zur Charakteristik bedeutender Typen personaler Machtausübung, insbesondere im Fall von autoritären Herrschern, als auch zur Beschreibung der Wirkungsweise von historischen Bewegungen oder sogar Weltanschauungen im weitesten Sinne einsetzen.
Von den Sophisten über den Vater des modernen Liberalismus, Thomas Hobbes, bis hin zu Carl Schmitt und Michel Foucault reicht die Serie derjenigen Vordenker, die – teils zustimmend, teils warnend – Recht und Moral als offene oder verschleierte Instrumente im Dienste der Machthaber verstehen: Das Recht diene der Festschreibung und die Moral der Einübung in Verhaltensweisen wie Konformismus und Unterordnung.
Machtstreben und Machtgier werden dabei nicht selten – teils in bestätigender, teils in kritischer Absicht – als konstante anthropologische Gegebenheiten bewertet, woraus sich jeweils unterschiedliche politische Strategien ergeben. Beide Absichten gehen mit der berühmten Formel von Clausewitz – allerdings in der von Michel Foucault stammenden Umkehrung – konform, der zufolge Politik als »Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln« zu definieren ist.
Die Frage, ob und wie der Evidenz der Formel und der Logik ihrer Umkehrung begegnet werden kann, wird in der politischen Ideengeschichte – von Rousseau bis Habermas, von Kant bis Rawls oder von Nietzsche bis Rorty – kontrovers beantwortet. Die Auswertung ihrer Antworten steht unter der Leitfrage, ob es diesen Autoren gelingt, die Behauptung von der Naturgegebenheit des Machtstrebens zu widerlegen.

Enno Rudolph


Enno Rudolph ist Professor em. für Philosophie an der Universität Luzern. Er promovierte 1974 über Kant und habilitierte sich 1983 über Aristoteles – jeweils an der Universität Heidelberg – und hatte zahlreiche Gastprofessuren im In- und Ausland inne. Von 1977 bis 2000 war er Hauptamtlicher Mitarbeiter und Leiter des Arbeitsbereichs Philosophie am »Interdisziplinären Forschungszentrum FESt« in Heidelberg.

Pressestimmen


›Wege der Macht‹ nennt der Luzerner Philosoph Enno Rudolph seine überaus gelungene Untersuchung zu »Philosophische[n] Machttheorien von den Griechen bis heute«. Beginnend mit der Entzauberung durch Sokrates, der Expertokratie Platons, via Machiavellis Erlangung oder Erhaltung politischer Macht, [...] Im weiteren werden [...] Hobbes Entmachtung Gottes angeführt, um den Machtbegriff mehr und mehr zu demaskieren. Dabei kommt die Vernunft Kants ins Spiel ›zwischen Vernunft und Religion‹, Rousseaus Volkswillen-Recht, Rawls Widerstandsgerechtigkeit, Marx - Benjamins Sakralisierung des Marxismus, dagegen Blumenbergs Entzauberung der Säkularisierung, Nietzsches Entmachtung der Weltanschauung, Cassirers humanistisches Partisanentum und aktuell Rortys narrativer Anarchismus, sowie Habermas’ Ohnmacht des dritten Weges [...]: Rudolph's Quintessenz: ›Die Philosophie hält nur wenige Mittel bereit, um seine Klage wach zu halten sind Therapien nicht ihre Stärke [...], wohl aber Diagnose und Früherkennung.‹ Dem ist voll zuzustimmen, weil denkbefleissigend.
Marga u. Walter Prankl, kultur-punkt.ch, Dez. 2017.
In einer präzise zuspitzenden und raffenden Prosa wird er [der Leser] mit dichten Deutungen Platons, Thukydides', Hobbbes' Machiavellis, Shakespeares, Kants, Rousseaus, Rawls', Benjamins, Blumenbergs, Heideggers, Cassirers, Nietzsches, Habermas' und Rortys konfrontiert. Deutungen, die meist Umdeutungen darstellen und den Leser nicht – wie es der Mainstream zu tun pflegt – mit dem überraschen, was er bereits kennt. Das Buch bildet zudem das Gegenteil des in der Philosophie gern gepflegten Stils der Umständlichkeit. Es bietet unumständlichen Stil.
Bernhard H. F. Taureck, Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 114 Juni 2018.