Wie konnte es zwei Inseln begrenzten Umfangs und mit weniger als 10 Millionen Einwohnern gelingen, große, im Falle Englands sogar ein gewaltiges Kolonialreich aufzubauen? Als Erklärung dafür werden üblicherweise günstige zeitliche Umstände und politische Umweltbedingungen herangezogen. Mehr noch aber, so weist Peter Waldmann nach, sind die Gründe in der geschichtlichen Entwicklung der Inseln zu suchen.
Das Buch ist als Vergleichsstudie angelegt. Es handelt sich um eine Kombination von Ähnlichkeits- und Kontrastanalyse, mit der historische Kausalfaktoren analytisch freigelegt werden können, welche eine plötzliche explosionsartige Wirkung entfalteten.
Im Falle Japans erwiesen sich die – in über Jahrhunderte sich erstreckenden Ausscheidungskämpfen zwischen den herrschenden Adelshäusern perfektionierten – gewaltsamen Durchsetzungsmethoden als Schlüssel für den kolonialen Erfolg. Auch die Engländer waren ein wehrhaftes Inselvolk. Bei ihnen wurden die kriegerischen Fähigkeiten jedoch durch die Aufgeschlossenheit des Adels für kommerzielle Interessen, seine kulturelle Neugier und ein frühes Denken in strategischen Kategorien ergänzt. In Japan überwog als Motiv ein in Aggressivität umschlagendes Gefühl der Bedrohung und die Furcht, von externen Mächten besetzt zu werden, während England früh auf das Ziel einer umfassenden Seeherrschaft als Voraussetzung weiterer Territorialgewinne zusteuerte.
In methodischer Hinsicht leistet die Studie eine Verbindung von Synthese und Analyse. Mittels der synthetischen Blickweise werden die entscheidenden Strukturvariablen in der langen Geschichte beider Inseln herausgearbeitet, die für ihre künftige koloniale Ausdehnung entscheidend waren. Dagegen setzte der Fallvergleich analytische Fähigkeiten voraus. Als gemeinsame Wurzel des Kolonialismus weist das Buch, ungeachtet der herausgearbeiteten Differenzen, das feudale, auf das Mittelalter zurückgehende Erbe beider Inseln nach.