Formen des Sprechens, Modi des Schweigens

Sprache und Diktatur

  • Erscheinungsdatum: 09.07.2018
  • Paperback
  • 452 Seiten Seiten
  • Fadenheftung
  • ISBN 978-3-95832-082-6
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Beschreibung


Unter den Bedingungen einer Diktatur oder eines autoritären Regimes bildet sich ein spezifischer Sprachgebrauch heraus, in dem Machtverhältnisse gestützt, subversiv entlarvt, unterwandert oder offensiv kritisiert werden. Aufschlussreich ist dabei nicht nur, was, wann, wie, von wem, in welchem öffentlichen oder privaten Raum gesagt wird, sondern auch die Art und Weise, wie etwas nicht gesagt und wann, worüber und wie geschwiegen wird.
Der vorliegende Band untersucht den spezifischen Sprachgebrauch in und nach der Diktatur bzw. in und nach autoritären Regimen in einer deutsch-arabischen Perspektive und ist das Ergebnis einer dreijährigen interdisziplinären Zusammenarbeit deutscher und nord-afrikanischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Mit den gesellschaftlichen Transformationsprozessen, die viele arabische Länder begonnen und wenige fortgesetzt haben, ist die Thematik hochaktuell.
Die sprachphilosophischen, linguistischen, ethnologischen, literatur- und kulturwissenschaftlichen Untersuchungen wenden sich vier thematischen Schwerpunkten zu: Ein erstes Kapitel untersucht Sprache als Instrument der Macht. Ein zweites Kapitel wendet sich dem Gegendiskurs und der Subversion innerhalb der arabisch- und deutschsprachigen Literatur zu. Ein dritter Themenschwerpunkt liegt auf der Aneignung und Enteignung von philosophischen Begriffen im Kontext autoritärer Staaten. Ein vierter und letzter Fokus liegt auf den Wendepunkten, auf Protest und Öffentlichkeit, die sich in Demonstrationssprüchen, Protestliedern in Umbruchzeiten und Literatur ausdrücken.

Sarhan Dhouib


Sarhan Dhouib
© privat

Sarhan Dhouib ist ab September 2026 Professor für Interkulturelle Religionsphilosophie an der Universität Wien. 2008 wurde er an den Universitäten Bremen und Tunis über System und Identität bei Schelling promoviert; 2026 folgte seine Habilitation zu Toleranz und Intoleranz in der arabischen Moderne an der Universität Hildesheim, wo er gegenwärtig als Gastwissenschaftler tätig ist. Darüber hinaus lehrte und forschte er an der Universität Kassel. Bei Velbrück Wissenschaft hat er unter anderem herausgegeben: Philosophieren in der Diktatur (2022), Erinnerungen an Unrecht (2021), Toleranz in transkultureller Perspektive (2020), Formen des Sprechens, Modi des Schweigens (2018).

Pressestimmen


Für WissenschaftlerInnen, die zu den Themen des Bandes forschen, ist der Band als Fundgrube einer Vielzahl von Anregungen, aber auch möglicherweise neuer, noch nicht bekannter Literaturangaben in den Fußnoten sehr zu empfehlen. Für das breitere Publikum werden manche Beiträge vielleicht zu theoretisch anmuten; dieser kleine Nachteil wird jedoch durch eine Vielzahl von Beiträgen wettgemacht, die anhand ganz realer Beispiele das Thema und die Fragestellung ganz konkret erfahrbar machen und daneben auch eine Fülle von kulturellen und länderspezifischen Informationen bieten.
Peter Krois, Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes WZKM vol. 112.
Der Band wirbt nicht nur für ein transkulturelles Verständnis arabischer Lebensumstände, er reißt den Leser auch aus der Selbstgefälligkeit eines politischen Selbstverständnisses, das sich im Rahmen einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung über solche Machtfragen erhaben wähnt.
Burkhard Liebsch, Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018.
›Sprache und Diktatur‹ gestattet durch seine forschende Tiefe und Umsicht einen messerscharfen aktuellen Einblick in die kulturelle Struktur des nordafrikanischen wie syrischen Kulturraums.
Marga u. Walther Prankl, kultur-punkt.ch, 12.07.2018.