Verfremdungsspiele

Zur Unterscheidung von vier Formen des systemtheoretischen Denkens

  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Erscheinungsdatum: 17.09.2018
  • Buch
  • 484 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783958321571
lieferbar innerhalb von 2 Werktagen
Auf den Merkzettel

Beschreibung


Wie nur wenige Theorieprojekte vor und nach ihr hat Niklas Luhmanns Systemtheorie Gräben durch die Forschungslandschaft gezogen. Während viele ihre sozial- und gesellschaftstheoretischen Errungenschaften betonen, lehnen andere ihre Erneuerungen der Soziologie reflexartig ab. Einige halten sie für ein experimentierfreudiges, innovatives Denkabenteuer, andere für eine modernistische, konservative und eurozentrische Gesellschaftstheorie. Manche verstehen ihre abstrakte Ironie als ihr eigentliches Herzstück, andere sehen darin nur die Begriffsspielerei einer geniebesessenen, realitätsfernen Soziologie.
Moritz von Stetten interpretiert Luhmanns Systemtheorie als ein theoretisches Verfremdungsspiel, das spätestens seit der sogenannten »autopoietischen Wende« in den 1980er Jahren bewusst für unterschiedliche Lesarten geöffnet wurde.
Er arbeitet dazu das Motiv der Verfremdung als versteckten Kern des systemtheoretischen Denkens heraus. Luhmanns Systemtheorie wird so nicht als begrifflicher Monolith, sondern als theoretisches Chamäleon mit sich stellenweise wechselseitig ausschließenden Deutungsmöglichkeiten verstanden.
Außerdem wird der These widersprochen, dass es sich nur um eine Systemtheorie handelt, die im interdisziplinären Diskurs verhandelt wird. Daran anschließend unterscheidet von Stetten innerhalb der Rezeption von Luhmanns Spätwerk vier Formen des systemtheoretischen Denkens, die auf jeweils andere, aber stets nachvollziehbare Art und Weise an eine Technik der Verfremdung anknüpfen. Die Unterscheidung dieser vier Formen des systemtheoretischen Denkens dient der systematischen Rekonstruktion und Erschließung der unübersichtlichen Rezeptionsgeschichte der Systemtheorie in den Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften. Es ergibt sich ein theoretisches Panorama, von dem aus die Fragen und Ziele von Luhmanns Systemtheorie im interdisziplinären Forschungskontext neu betrachtet und bewertet werden können.

Moritz von Stetten


Moritz von Stetten ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Soziologie der Universität Bonn. Neben der Sozial-, Gesellschafts- und Medientheorie liegen seine Schwerpunkte in den Bereichen Medizinsoziologie sowie Soziologie psychischer Erkrankungen.

Pressestimmen


Zur Struktur des Diskursbuches von Moritz von Stetten »Verfremdungsspiele« gibt es eine Erläuterung, um in dieser verzwickten Lage letztendlich den Blick dafür frei zu halten, die Komplexität dieses Geschehens in ihrem Vollzug und in ihren feinen Differenzen nachzuvollziehen. Es geht darum, die Spielregeln zu explizieren, nicht deren verborgene Wirksamkeit weiterzutragen. Am Ende lässt sich so mit der Systemtheorie besser verstehen, wie die Performativität einer sich selbst verfremdenden Moderne funktioniert. Die Quintessenz von Moritz von Stetten geht im Kern von systematischen Überlegungen aus, dass aus dieser Perspektive die Moderne darin besteht, ›dass auf eine Verfremdung niemals mit der Einforderung rationaler Kohärenz - inmitten im Geschehen - reagiert werden kann, sondern immer nur mit weiterer Irritation‹. So gesehen, ist diese umfassende Analyse der verschiedenen Formen des systemtheoretischen Denkens durchwegs gelungen.
Marga u. Walther Prankl, kultur-punkt.ch, Okt. 2018.