Reflexiver Terrorismus

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2015
  • Paperback
  • 508 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783958320550
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Beschreibung


„Wieso haben die das getan?“ Dies ist die Kernfrage, die mit den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 gestellt wurde. Seitdem gibt es, wie Peter Sloterdijk konstatiert, „glänzende Teilanalysen, bisher jedoch keine befriedigende Erklärung.“ Das vorliegende Buch versucht diese Lücke zu schließen.

Ausgangspunkt hierfür sind Überlegungen zur Komplexität der Gegenwartsgesellschaft, die empirisch als „selbstorganisiert kritikale Weltrisikogesellschaft“ beschreibbar ist und deren Kernelemente sich im Prozess der Hybridisierung zeigen. Entlang der Idee der Weltrisiko-gesellschaft wird gezeigt, dass die in der Soziologie bzw. in den Sozialwissenschaften üblicherweise verwendete Logik der Theorien in der Anwendung auf den transnationalen Terrorismus zu falschen Erkenntnissen führt. Als Alternative wird der methodologische Kosmopolitismus als konzeptionelle Rahmung fortentwickelt und die verschiedensten gesellschaftstheoretischen Perspektiven und Überlegungen auf manchmal überraschende Weise zueinander in Beziehung gesetzt.
In der Darlegung der strategischen Evolution von Al-Qaida im Kontext einer kom-plexen, besonders durch die Strategie der USA geprägten Welt, soll deutlich werden, dass eine methodologisch-kosmopolitische Perspektive den transnationalen Terro-rismus erklärend entschlüsseln kann. Dazu wird gezeigt, dass der transnationale Terrorismus als Element der Weltrisikogesellschaft ein Risiko darstellt, dessen Bestandsbedingungen alle Merkmale eines komplexen, adaptiven Systems aufwei-sen. Die Anpassung an die jeweilige Umwelt erfolgt in diesem Fall über das wechselseitig anpassende Justieren der Strategien der beteiligten Akteure.

Der Autor gibt damit nicht nur eine profunde Antwort auf die Ausgangsfrage, sondern es gelingt ihm zugleich, den Anspruch des kosmopolitischen Blicks auf die Praxis der Theorie selbst anzuwenden, was vorherrschende Stereotypen der gesellschaftstheoretischen Lagerbildung nachhaltig in Frage stellt.

Thomas Kron


Thomas Kron ist Professor für Soziologie an der RWTH Aachen University. Auswahl bisheriger Veröffentlichungen: Zeitgenössische soziologische Theorien. Zentrale Beiträge aus Deutschland. Wiesbaden: VS, 2010. Individualisierung. Bielefeld: transcript, 2009 (mit Martin Horácek).

Pressestimmen


Auch den Nicht-Luhmannianern und mit der Fuzzy-Logik nur mäßig vertrauten Leserinnen und Lesern geht am Ende ein Licht auf und sie verstehen, warum Thomas Kron im ersten Teil des Buches so ausführlich die Methodologie seiner Analyse vorstellen musste. Der zweite Teil des Buches ist eine Bereicherung für die sozialwissenschaftliche Forschung des transnationalen Terrorismus und wird vom Rezensenten unbedingt als Lektüre empfohlen.
Wolfgang Frindte, socialnet.de, 11.01.2016.