Der Dritte

Studien zur Sozialontologie

  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Buch
  • 260 Seiten
  • ISBN 9783958321588
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Beschreibung


Eigentlich ist »der Dritte« der Kniff zwischen dem Anderen und der Vielheit, durch den die soziale Intelligenz von Akteuren Gesellschaften überhaupt entspringen lässt. Seine soziale Produktivität bleibt verdeckt, solange die Grundbegriffe der Sozialität entweder nur die konstitutive Kraft der dyadischen Intersubjektivität (der »Andere«) aufrufen – in den Termini der ›Anerkennung‹ (Hegel), »Begegnung « (Buber), »Perspektivenübernahme « (Mead), ›Alterität‹ (Lévinas), ›Kommunikation‹ (Jaspers, Mead, Habermas), ›doppelte Kontingenz‹ (Luhmann) – oder umgekehrt im Postulat der Transsubjektivität (»das Dritte«) eine immer schon umgreifende dritte Größe aller konkreten Interaktionen zwischen Akteuren voraussetzen: als »objektiver Geist« (Hegel), »Kollektivität« (Durkheim), »Struktur« (Lévi-Strauss), »Sprache« (Lacan), »soziales System« (Luhmann), »kollektive Intentionalität« (Searle).
Demgegenüber ist die konkrete Figur und Funktion des Dritten (»der/die Dritte «) in den sozialontologischen Diskussionen der letzten 20 Jahren (wieder-)entdeckt worden – im Rückgang auf Simmel, Freud, Lacan, Sartre, Lévinas, Berger/ Luckmann und andere Theoretiker.
Auf diesen sozialtheoretischen Fund der Tertiarität sind die versammelten Aufsätze des vorliegenden Bandes fokussiert. Sie systematisieren die sprachlogischen, sozialpsychologischen, soziologischen und kulturwissenschaftlichen Argumente, inwiefern für die Emergenz komplexer Vergesellschaftung und zugleich für die Ausdifferenzierung ihrer Teilsysteme wie Recht, Medien, Politik und Marktökonomie prinzipiell eine »dritte Figur « (»Er/Sie«) neben dem Einen (»Ich«), dem Anderen (»Du«) und dem Kollektiven (»Wir«) einbezogen bzw. vorausgesetzt werden muss.
Fischers sozialontologische Studien zeigen, dass die Figuration der Triade bzw. die »dreifache Kontingenz « sich als Schlüssel zur Vermittlung zwischen »Intersubjektivität « und »Transsubjektivität«, von Handlungs- und Strukturtheorien des Sozialen erweisen – und »Tertiarität« als ein Grundbegriff der Sozial- und Kulturwissenschaften fungieren könnte.

Joachim Fischer


Joachim Fischer ist Honorarprofessor für Soziologie an der TU Dresden und Leiter eines DFG-Projektes zu Nicolai Hartmanns »Cirkel-Protokollen« (zus. m. Gerald Hartung). Von 2011-2017 war er Präsident der Helmuth Plessner Gesellschaft. Bei Velbrück Wissenschaft hat er veröffentlicht: Exzentrische Positionalität (2016).