Magazin 10/2018

Digitalisierung der Lebenswelt als Angriff auf die Vulnerabilität

Velbrück Wissenschaft freut sich, im kommenden Frühjahrsprogramm unter anderem das neue Buch von Martin W. Schnell mit dem Titel »Digitalisierung der Lebenswelt« präsentieren zu können. Darin wird der Autor Thematiken aus seiner ebenfalls bei Velbrück Wissenschaften erschienenen Grundlagenstudie »Ethik im Zeichen vulnerabler Personen. Leiblichkeit – Endlichkeit – Nichtexklusivität (2017)« aufgreifen und sie zu einer Zeitdiagnose im Horizont einer Sozialphilosophie der Vulnerabilität erweitern. Im folgenden Text umreißt er für das Verlagsmagazin thesenhaft sein Projekt.

 

Magazin 07/2018

Systemerien

Hier finden Sie einen aktuellen Beitrag unseres Autors Peter Fuchs. In seinem demnächst erscheinenden Buch »Systemerien« vertritt Fuchs die These, dass die moderne Gesellschaft wie andere Sozialformationen ein ›fundamentum inconcussum‹ benötigt. Dieses Fundament ist aber paradoxer Weise ein ‚fundamentum concussum‘ und bezeichnet die Erschütterlichkeit des Unerschütterlichen. Das Paradigma: Alles, was beobachtet wird, kann anders beobachtet werden. Vielleicht lässt sich von einer Kontingenzformel der modernen Gesellschaft sprechen. Oder anders formuliert: Alles, was anders beobachtet werden kann, kann anders anders beobachtet werden. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 05/2016

Angefeindet von innen und außen

Unzählige Male ist gefragt worden, was Europa ist – wenn nicht bloß ein gewisser Kontinent oder eine höchst mangelhaft legitimierte, bürokratisch verselbständigte und weitgehend intransparente institutionelle Realität, die den weitaus meisten Europäern offenbar nur als eine ferne Schimäre vorkommt. Das gilt gewiss ganz besonders für die Bevölkerungen nicht nur ökonomisch vielfach vernachlässigter Staaten Osteuropas, ob es sich nun um Mitglieder der EU wie Bulgarien, um bislang assoziierte Anwärter auf Vollmitgliedschaft wie Montenegro und Serbien oder um Nachbarn mit weitgehend unklarer Beitrittsperspektive wie Moldawien handelt. Auch in den rechtlich voll integrierten EU-Staaten erweckt Europa allzu oft den Eindruck eines Trugbildes. Behaupten nicht gerade diejenigen im Namen Europas handeln zu dürfen, deren Verbindung zur gelebten Realität, für die dieser Begriff doch auch stehen müsste, am allerwenigsten überzeugt? Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 12/2015

Politische Welt und politische Theorie – im Zeichen der Gewalt

Seit dem Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland, NATO und Warschauer Pakt im Jahre 1989 wurde die Weltpolitik durch eine Vielzahl einschneidender und höchst folgenreicher Ereignisse skandiert.
Man erinnere sich nur an die Auflösung der Sowjetunion, an die Beendigung der Apartheit in Südafrika, an die inzwischen wieder obsolete Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern, die Jassir Arafat und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis eingebracht hat, an die Wahl des ersten farbigen Präsidenten der USA, an den Arabischen Frühling, aber auch an den Zerfall Jugoslawiens mit dem Massaker von Srebreniza, an den Ruandischen Genozid und an die Irak-Kriege, deren Nachfolgen sich in der gegenwärtigen Fragmentierung des Nahen Ostens zeigen. An politischen Ereignissen mangelte es in den letzten drei bis vier Jahrzehnten ebenso wenig wie an Anlässen dazu, sich auf die Frage zu besinnen, worin ihre historische Signifikanz liegt. Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 04/2015

Hybride Körper – (Re-)Assembling the Body?

In seiner ursprünglichen Bedeutung steht der Begriff der Hybridität für eine Vermischung von Verschiedenem, von zweierlei Herkunft, durch Kreuzung oder Mischung entstanden. Die Idee der Hybridität impliziert eine Überschreitung von Art-, Individuums- und Körpergrenzen (Rademacher 1999: 257; Vallant 2008: 75). Mit Blick auf seine Geschichte hat der bereits 1859 von Charles Darwin aufgegriffene Begriff der Hybridbildung bzw. Hybridisation zunächst mit Anerkennungsschwierigkeiten zu kämpfen (Brede/Schwenk/Streit 2010: 35). Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 02/2015

Rainer Trotzke: Buchstaben-Folgen: Schriftlichkeit, Wissenschaft, Metaphysik

Zur Reichweite einer medienphilosophischen Überlegung

Der folgende Artikel rekonstruiert das Projekt abendländischer Wissenschaft vor dem Hintergrund der Differenz von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Es werden dabei zwei Debatten zusammengebunden, die bisher erstaunlicherweise kaum verknüpft worden sind: die interdisziplinäre Debatte der 80er und 90er Jahre um die kulturellen Auswirkungen von Schrift und Schriftlichkeit einerseits und die anhaltend breite philosophische Diskussion um Status und Reichweite wissenschaftlicher Weltdarstellungen andererseits. In einer doppelten – medienhistorischen und medienphänomenologischen – Perspektive wird gezeigt, welche (schrift-)praktischen Entstehungsbedingungen und welchen Status wissenschaftliche Aussagen als verdauerte sprachliche Handlungen haben, was bestimmte Miss-verständnisse von Wissenschaft sind und wie diese Missverständnisse gerade durch die (alphabet-)schriftliche Form der Wissensdarstellung evoziert werden. Ab-schließend werden einige allgemeine Überlegungen zur Reichweite und Relevanz medienphilosophischer Überlegungen vorgestellt. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 02/2015

»True« and »False« Evolutionism

Bergson’s Critique of Spencer, Darwin & Co. and Its Relevance for Plessner (and Us)

Plessner’s particular way of thinking about human beings within the realm of organic life cannot be adequately discussed without reference to Henri Bergson’s philosophy of biology, nor without reference to Plessner’s critique of Bergson. Bergson seems, at first glance, far more interested in evolutionary biological thinking than Plessner, although upon closer inspection, one can make the case that it is in fact also a crucial issue for Plessner. This paper seeks to analyze Bergson’s subtle dispute with the evolutionary theories of his contemporaries. Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 06/2014

Die poetologische Entstehung der musikalischen Autonomieästhetik: Musik als Erfahrungsraum sui generis

Auch wenn die Geschichte der Musikästhetik bis in die Antike zurückreicht, hat sie doch erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts den entscheidenden Durchbruch zu einer eigenständigen Modellbildung gefunden. Wie stets musste die Autonomisierung einer Geistesdisziplin warten, bis der Gegenstand, auf den sie gerichtet ist, sich in seiner Eigenart hinreichend herausgebildet hatte. Erst als die Produktion der epochalen Wiener Trias Haydn, Mozart und Beethoven in ihrer künstle-rischen Bedeutung vor die Augen der gebildeten Welt getreten war – und dabei auch ein neuer Blick auf die kompositorische Bedeutung J.S. Bachs gewonnen werden konnte –, begannen sich für die musikästhetische Reflexion grundlegen-de Orientierungslinien abzuzeichnen, allerdings in einem bis heute kaum auslotbar erscheinenden Abgrund von Deutungsproblemen.Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 03/2014

Wann beginnt das Recht auf Leben?

Die Verfassung unseres Staates garantiert in ihren Artikeln 1 und 2 jedem Menschen die Unantastbarkeit seiner »Würde« und das »Recht auf Leben«. Das Recht auf Leben ist dabei von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Zulässigkeit der Tötung von Embryonen – sei es im Mutterleib, sei es im Reagenzglas – geht. Wenn bereits der Embryo als »Mensch« im Sinne der Verfassung zu gelten hat und somit das Recht auf Leben besitzt, so hat dies folgende, sehr weit reichende Konsequenzen. Zum vollständigen Artikel (pdf).

Magazin 11/2012

Thinking the social from the perspectives of its borders

It is specific to modern societies that only living human beings can be considered social persons in a generally recognized sense. Other societies draw different boundaries and include, for example, gods or animals in the sphere of legitimate persons (Kelsen, 1982; Luckmann, 1980). The modern restriction of the sphere of legitimate persons also carries over, more or less explicitly, to much of sociological research, which regards sociation as the sociation of human beings. Strictly speaking, Latour’s symmetrical anthropology (Latour, 1991/1995) also lends human beings a privileged position of this kind. Although Latour programmatically calls for symmetry between human and non-human actors, even in his work it is the human actors that ultimately take center stage. They constitute, as it were, the social core of the sociation process, while non-human actors are given the status of assistants. The latter function as stabilizers, lending the social order a kind of solidity human actors could not create on their own. Technical artifacts as assistants supporting action also figure in other areas of the sociology of technology. Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 01/2009

Rezension zu DIRK RUSTEMEYER: Diagramme. Dissonante Resonanzen: Kunstsemiotik als Kulturtheorie.

Nach Sinnformen (2001) und Oszillationen (2006) richtet der an den Universitäten Trier und Witten/Herdecke lehrende Philosoph Dirk Rustemeyer mit Diagramme seinen Blick auf die Kunst. Neben dichten Überlegungen zu einer semiotisch grundierten Theorie der Kunst (und ihres Verhältnisses zur Philosophie) inspiziert Rustemeyer Klangkunst, visuelle Darstellungsexperimente, immaterielle Kommunikationskunst und Autorenfilme. Einerseits demonstriert das Buch, wie mit leichter Hand schwierige Theorieprobleme zerlegt und bewegt werden könne. Andererseits wird hier einer konkret. Die besprochenen Werke sind alles andere als bloße Anwendungsbeispiele für Theorie. Sie steigen förmlich aus dem Buch heraus. Was für ein Blick!, möchte man ausrufen. Aber auch: Was für eine Kunst! Zum vollständigen Artikel (pdf)

Magazin 06/2006

Kritische Gesellschaftstheorie heute

Zum Verhältnis von Poststrukturalismus und Kritischer Theorie

Was kann eine kritische Gesellschaftstheorie heute bedeuten? Diese Frage scheint auf den ersten Blick fast antiquiert. Die sog. Kritische Theorie der Gesellschaft hatte in der deutschen Soziologie ihre Hochzeit in den 1970er Jahren. Auch zu dieser Zeit war sie bereits ein Revival; sie vollzog einen Rückgriff einerseits auf Marx, andererseits auf die Arbeiten der Frankfurter Schule der 1930er bis 60er Jahre, zentriert um Adorno und Horkheimer. Der Rückgriff war verknüpft mit Versuchen einer Weiterentwicklung, im Neomarxismus einerseits, in der jüngeren Frankfurter Schule bei Habermas andererseits. Es ist offensichtlich, dass diese Phase einer allgegenwärtigen kontroversen Debatte um kritische Gesellschaftstheorie – vielleicht schlaglichtartig aufscheinend auf dem Frankfurter Soziologentag 1968 unter dem Titel »Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft« – nicht mehr die unsere ist. Auf den ersten Blick und wenn man sich auf die deutsche Soziologie beschränkt, könnte man zu dem Schluss kommen, dass mittlerweile diese »kritischen« Analyseansätze, die durch ihre Perspektive selbst eine Distanz zu ihrem Gegenstand eingebaut haben, in der breiten Aufmerksamkeit durch solche verdrängt worden sind, die Horkheimer wohl unter der Rubrik der »traditionellen Theorie« eingeordnet hätte, etwa die Systemtheorie oder die Rational Choice-Theorie oder steuerungsorientierte middle range theories. Eine solche Diagnose würde aber – so denke ich – eindeutig zu kurz greifen, und zwar, weil sie von einem zu engen Begriff der Kritischen Theorie ausgeht und weil sie zugleich regional beschränkt ist. Zum vollständigen Artikel (pdf)

  1. 1
  2. 2
  3. 3