Das hybride Subjekt

Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2006
  • Paperback
  • 640 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783938808900
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Beschreibung


Welche Form nimmt in der Moderne das Subjekt an? Gängige große Erzählungen der Moderne behaupten hier entweder einen Prozess der ›Individualisierung‹, der Freisetzung von Individuen aus sozialen Bindungen, oder einen Prozess der ›Disziplinierung‹, der immer stärkeren Unterordnung des Einzelnen unter rationalisierende Normen. Demgegenüber wird in diesem Buch in der Form einer historischen Kulturanalyse der Moderne eine andere Perspektive eingenommen: Die Kultur der westlichen Moderne vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts stellt sich als ein Konfliktfeld dar, auf dem sehr unterschiedliche Formen dessen, was ein modernes, anerkanntes und erstrebenwertes Subjekt ausmachen soll, miteinander konkurrieren. Es gibt nicht ›die‹ moderne Persönlichkeitsstruktur als eine homogene, widerspruchsfreie Einheit. Die Kulturen des Subjekts stellen sich vielmehr als Überlagerungen differenter kultureller Muster unterschiedlicher Herkunft dar: das moderne Subjekt ist ein durch und durch ›hybrides‹ Arrangement der Subjektivation, das systematisch von Brüchen durchzogen ist.

Andreas Reckwitz


Andreas Reckwitz

Andreas Reckwitz, geb. 1970. Professor für Kultursoziologie, seit 2010 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, 2006-2010 an der Universität Konstanz. Tätigkeiten in Forschung und Lehre in Cambridge, Berlin, Berkeley, London, Wien, Bielefeld und Heidelberg. Auszeichnung mit der Opus magnum-Förderung der Volkswagenstiftung (Laufzeit 2015- 2017). Seit 2015 Mitglied des Konzils der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) und Mitglied des Beirats des soziologischen Internet-Portals 'Soziopolis'.

Pressestimmen


Reckwitz arbeitet mit grobem Pinselstrich, zumal sich seine Ausführungen sowohl auf die europäische wie auf die nordamerikanische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts beziehen. Trotzdem sind sie für eine nicht-essentialistische Geschichte individueller Leistung von heuristischem Wert, da sie erstens auf eine mehrfache Verschiebung und Brechung der Bedeutung individueller Leistung für Subjektkulturen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert verweisen. Zweitens schafft der Kultursoziologe durch die Formeln vom bürgerlichen Arbeitssubjekt, vom flexiblen Angestelltensubjekt und vom Kreativsubjekt der Postmoderne Begriffe, an denen sich die Forschung orientieren und vor allem auch reiben kann.
Neue Politische Literatur, Jg. 59 (1/2014), Nina Verheyen.
Die Eigenqualität der kulturellen Semantiken bei der historischen Genese der Moderne ist von den gängigen sozialwissenschaftlichen Modernisierungstheorien zumeist entweder gänzlich unterschätzt oder allein an ihren Resultaten als Wertewandel im späten 20. Jahrhundert bemerkt worden. RECKWITZ sucht dieses Versäumnis durch eine weit ausholende Rekapitulation der abseits der modernisierungstheoretischen Debatte reichthaltig und seit Jahren vorhandenen Literatur vor allem zur ästhetischen Moderne zu kompeniseren. Seine Studie (...) beansprucht, ihre Befunde mit Hilfe einer komplexen Theorie zur Logik der kulturellen Modernisierung zu systematisieren und als einen "kulturalistischen" Gegenentwurf zu den sozialwissenschaftlichen Modernisierungstheorien zu präsentieren.
Soziologische Revue, Dominik Schrage, Jahrgang 31(2008).
RECKWITZ legt mit seiner siebenhundertseitigen Habilitationsschrift eine beeindruckende Darstellung des Subjekts vor und weist, wie es im Schlusskapitel heißt, den "Weg zu einer dekonstruktiven Kulturtheorie". Das Buch ist reicht an Quellenangaben, verfügt über eine klare Sprache und Gliederung, die dem Leser hilft, den unendlichen roten Faden des Buches im Blick zu behalten. Am interessantesten sind die sehr ausführlich und mit vielen Beispielen aus Kunst, Literatur udn Alltagskultur versehenen Beschreibungen der Herausforderungen der jeweiligen etablierten bürgerlichen Kultur durch eine ästhetische Gegenbewegung und danach der allmähliche Übergang der letzteren in den Mainstream.
ZKph 1/2007, Manuel Clemens.
Der Soziologe Andreas Reckwitz hat mit seiner Hamburger Habilitation eine umfangreiche Synthese vorgelegt, die sich an einer Theorie moderner und postmoderner Subjektkulturen versucht, das heißt an der Rekonstruktion sich verändernder Kriterien von Subjekthaftigkeit seit dem 18. Jahrhundert.(...)Der Gewinn der Arbeit liegt (...) in der Entwicklung systematischer Kategorien, die eine Re-Evaluation bisheriger Forschungen unter subjektgeschichtlicher Perspektive ermöglichen.(...) Die Grundlinien des Buchs überzeugen und der systematische Zugriff ist anregend.
H-Soz-u-Kult, 30.10.2007, Timo Luks.
Was für ein Thema! Was ist der Mensch? Diese Frage treibt die Philosophie, die Religionen und zahlreiche andere Wissenschaften um. Wie hat er sich entwickelt? Welche Rolle spielen dabei die Familie, die Gesellschaft und andere soziale Gruppen? Mit Untersuchungen, die solchen und ähnlichen Fragen nachgehen, kann man Bibliotheken füllen. Nun hat ein Konstanzer Professor für Kultursoziologie nichts weniger versucht als eine bündige Antwort auf die zentralen Fragen der menschlichen Existenz, zumindest für die letzten 300 Jahre. Dass er dafür rund 700 Seiten benötigt, kann nicht verwundern, eher schon, dass er mit diesem knappen Raum auskommt. Um es vorweg zu nehmen: Auch wenn Reckwitz nicht alle Rätsel der Menschheitsgeschichte löst, so bietet seine "Theorie der Subjektkulturen" doch zentrale Einsichten und Anregungen, gespeist aus umfangreichem Quellenmaterial und in einer einerseits sehr komplexen, andererseits aber außerordentlich präzisen Sprache, wie sie in der deutschsprachigen Forschungslandschaft eher selten ist. Reckwitz gibt selbst zu, von Michel Foucault beeinflusst worden zu sein, auch wenn er mit ihm immer wieder kritisch ins Gericht geht. Sieht man ihn (unangemessen verkürzt) als Schüler, dann hat er seinen Meister zweifellos eingeholt. Der Dezentrierung des Subjekts in der Postmoderne stellt Reckwitz eine Theorie gegenüber, die das Subjekt zumindest in der Wissenschaft wieder ins Zentrum des Interesses rückt.
literaturkritik.de, Januar 2007.
Das Buch beeindruckt durch seine Materialfülle, ist anregend zu lesen, fordert den Leser heraus, sich mit ihm auseinander zu setzen.
Erziehungswissenschaftliche Revue 6 (2007), Fritz Böversen.
Zwei wesentliche Punkte unterscheiden Reckwitz' Ansatz von anderen postmodernistischen Beschreibungen gegenwärtiger Subjekte: Zum einen betont er, dass es sich bei dem "konsumtorischen Kreativsubjekt" nicht um eine von vielen pluralisierten, individualisierten Möglichkeiten handelt, sondern tatsächlich um ein einziges hegemoniales. Und zum anderen sei es als Praxis- und Diskursformation nicht frei flottierend, sondern habe eine präzise bestimmbare Trägergruppe: "die aus den höheren Mittelschichten erwachsende Milieuformation der urbanen creative class." (...) Die Mechanismen der Durchsetzung eines Subjektmodells interessieren Reckwitz weniger als seine Beschaffenheit. Hierin ist sein Buch wegweisend und nicht zuletzt aufgrund der Systematik und Informiertheit eine beeindruckende Studie.
ak – analyse & kritik, Nr. 509, 15. September 2006, Jens Kastner.
Wie Reckwitz die "kulturelle Logik der Hybridität" zu entfalten weiss, ist beeindruckend. Er arrangiert eine Fülle historischen Materials und scheut vor einer bündigen Konzeption nicht zurück. (...) Eine derart weit ausholende Theorie der Subjektivität sucht ihresgleichen in der heutigen Kulturtheorielandschaft.
socialnet.de, 8.11.2013, Prof. Dr. Gregor Husi.