Subtile Gewalt

Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit

  • 1. Auflage 2007
  • Erscheinungsdatum: 05.12.2007
  • broschiert
  • 256 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 978-3-938808-35-1
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Beschreibung


Das Vertrauen auf die Sprache als Medium der Befriedung der zwischenmenschlichen und internationalen Verhältnisse ist tief verwurzelt in der Philosophie, aber auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften und nicht zuletzt im politischen Leben. Wodurch könnte dieses Vertrauen mehr in Frage gestellt werden als durch den Verdacht, der Sprache wohne unvermeidlich subtile Gewalt inne?
Lässt sich dem gegenüber eine gewaltfreie Sprache denken? Gewaltfrei sind wir jedenfalls nicht schon deshalb, weil wir uns einer Rhetorik des Friedens, der Gerechtigkeit oder des Guten bedienen. Allemal liegt es bei Anderen, darüber zu befinden, wie weit man wirklich in Richtung auf wenigstens geringere Gewalt vorangekommen ist. Das könnte ein Ansatzpunkt zu einem praktischen Ethos des Umgangs mit subtiler Gewalt sein: sich über sie vom Anderen her belehren zu lassen. Die Anerkennung des Befundes, dass selbst der wohlmeinendste Sprachgebrauch nicht umhin kann, eine im Vorhinein niemals ganz und gar absehbare Verletzbarkeit Anderer heraufzubeschwören, nötigt allerdings nicht dazu, im Anderen die unanfechtbare Autorität eines Opfers zu sehen.
 

Burkhard Liebsch


Burkhard Liebsch

Burkhard Liebsch ist Prof. i. R. an der Ruhr-Universität Bochum. Nach seinem Studium der Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften an den Universitäten in Heidelberg und Bochum und im Anschluss an seine Promotion (mit einer Arbeit über Piaget und Merleau-Ponty) war er Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Philosophie von Bernhard Waldenfels. Nach der Habilitation 1994/5 war er Gastprofessur am Humboldt-Studienzentrum für Geisteswissenschaften und Philosophie der Universität Ulm, Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen in Essen, mehrfach Research Fellow am Forschungsinstitut für
Philosophie Hannover und Fellow an der Universität Rostock; darüber hinaus war er Gastdozent an den Universitäten Debrecen, Bukarest und Sofia, am Institut für Philosophie und Gesellschaftstheorie der Universität Belgrad, am Open Society Institute Vilnius, in Bozen/Innsbruck und an der Universität Bamberg; zwischenzeitlich mehrjährige Lehre im Rahmen des Lehrstuhls für Politische Theorie und Ideengeschichte am Institut für Politikwissenschaft der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig. Bis zum Eintritt in den Ruhestand lehrte er als Professor an der Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft an der Ruhr -Universität Bochum in Verbindung mit einem mehrjährigen DFG-Forschungsprojekt zu Grundfragen hermeneutischer Anthropologie.

Pressestimmen


Auf dem Wege einer Rekonstruktion des Zusammenhangs von Sprache und Gewalt zeigt Liebsch, dass menschliches Zusammenleben, obwohl und weil es auf Sprache angewiesenes Zusammenleben ist, per se von Gewaltsamkeit durchdrungen ist (...) Der bescheidene und gerade darum überzeugende Anspruch hinter diesem Unternehmen besteht darin, der Wahrnehmung un dem Bewusstsein Ausprägungen von Gewalt zugänglich zu machen, die so tief in die alltägliche und die politische Sprachpraxis eingegangen sind, dass sie nicht mehr auffallen.
Philosophischer Literaturanzeiger, Jg. 66, 1/2013, Astrid Jakob.