Subtile Gewalt

Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2007
  • broschiert
  • 256 Seiten
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 978-3-938808-35-1
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Beschreibung


Das Vertrauen auf die Sprache als Medium der Befriedung der zwischenmenschlichen und internationalen Verhältnisse ist tief verwurzelt in der Philosophie, aber auch in den Sozial- und Kulturwissenschaften und nicht zuletzt im politischen Leben. Wodurch könnte dieses Vertrauen mehr in Frage gestellt werden als durch den Verdacht, der Sprache wohne unvermeidlich subtile Gewalt inne?
Lässt sich dem gegenüber eine gewaltfreie Sprache denken? Gewaltfrei sind wir jedenfalls nicht schon deshalb, weil wir uns einer Rhetorik des Friedens, der Gerechtigkeit oder des Guten bedienen. Allemal liegt es bei Anderen, darüber zu befinden, wie weit man wirklich in Richtung auf wenigstens geringere Gewalt vorangekommen ist. Das könnte ein Ansatzpunkt zu einem praktischen Ethos des Umgangs mit subtiler Gewalt sein: sich über sie vom Anderen her belehren zu lassen. Die Anerkennung des Befundes, dass selbst der wohlmeinendste Sprachgebrauch nicht umhin kann, eine im Vorhinein niemals ganz und gar absehbare Verletzbarkeit Anderer heraufzubeschwören, nötigt allerdings nicht dazu, im Anderen die unanfechtbare Autorität eines Opfers zu sehen.
 

Burkhard Liebsch


Burkhard Liebsch

Burkhard Liebsch ist Prof. i.R. an der Ruhr Universität Bochum. Bei Velbrück Wissenschaft hat er veröffentlicht: Gastlichkeit und Freiheit. Polemische Konturen europäischer Kultur (2005); Revisionen der Trauer. In philosophischen, geschichtlichen, psychoanalytischen und ästhetischen Perspektiven (2006); Subtile Gewalt. Spielräume sprachlicher Verletzbarkeit (2007); Menschliche Sensibilität. Inspiration und Überforderung (2008); Renaissance des Menschen? Zum polemologisch-anthropologischen Diskurs der Gegenwart (2010); Prekäre Selbst-Bezeugung. Die erschütterte Wer-Frage im Horizont der Moderne (2012); Unaufhebbare Gewalt. Umrisse einer Anti-Geschichte des Politischen. Leipziger Vorlesungen zur Politischen Theorie und Sozialphilosophie (2015); Perspektiven europäischer Gastlichkeit. Geschichte ‒ Kulturelle Praktiken ‒ Kritik (hg. zusammen Michael Staudigl und Philipp Stoellger, 2016).

Pressestimmen


Auf dem Wege einer Rekonstruktion des Zusammenhangs von Sprache und Gewalt zeigt Liebsch, dass menschliches Zusammenleben, obwohl und weil es auf Sprache angewiesenes Zusammenleben ist, per se von Gewaltsamkeit durchdrungen ist (...) Der bescheidene und gerade darum überzeugende Anspruch hinter diesem Unternehmen besteht darin, der Wahrnehmung un dem Bewusstsein Ausprägungen von Gewalt zugänglich zu machen, die so tief in die alltägliche und die politische Sprachpraxis eingegangen sind, dass sie nicht mehr auffallen.
Philosophischer Literaturanzeiger, Jg. 66, 1/2013, Astrid Jakob.