Philip Schimchen beschreibt die Transformation des Rechts im Spiegel kultureller Praktiken und technologischer Entwicklung. Sein in vorliegendem Buch vorgestelltes rechtstheoretisches Modell verkörpert einen produktiven Gegenentwurf zum gegenwärtig erstarkenden Autoritarismus und Populismus. Es schlägt vor, die Rechtsbildung in die Dynamiken der komplexen postmodernen Gesellschaft zurückzuführen, um ein neues rechtliches Freiheitsverständnis jenseits staatlicher Herrschaft zu begründen.
Das Buch entwickelt im Sinne einer »Kulturtheorie des Rechts« dafür deskriptiv ein Modell, das unter Rückgriff auf einschlägige Kulturtheorien die Transformationsdynamiken des Rechts verständlich macht. Dabei wird die These verfolgt, dass die inhaltliche Seite des Rechts, das heißt die Rechtsnormativität, in einem wechselseitigen Austauschprozess mit dezentralen, praktischen Prozessen der gesellschaftlichen Wissensgenerierung steht.
Im Anschluss daran wird unter dem Begriff der »liberalen Transformation« eine normative Dimension entworfen, die auf einen produktiven und synergetischen Austausch des Rechts mit eben diesen praktischen Prozessen der (Recht-)Wissensgenerierung setzt. Die Strukturen des Rechts werden dabei im Sinne einer Engführung von Kultur- und Netzwerkbegriff dynamisiert, flexibilisiert und hybridisiert. Die im Kontext postmoderner Komplexitätssteigerung dysfunktional und anachronistisch wirkenden starren Formen des kontinentaleuropäischen Rechts- und Staatsdenkens, aus deren Adressierung Rechtspopulisten politisches Kapitel schlagen können, werden für eine funktionale Prozessierung von Komplexität in Netzwerken geöffnet. Sie bewahren so die Integrität des freiheitlichen Rechts und Staates aus ihren kulturellen Voraussetzungen heraus.
Methodisch versteht sich das Buch als interdisziplinäre rechtstheoretische Arbeit an der Schnittstelle von Kultur-, Politik- und Rechtswissenschaft. Seine Interdisziplinarität drückt sich vor allem darin aus, dass es die Formen, Strukturen, Medien und Verfahren des Rechts in deren gesellschaftlich-kultureller Verwurzelung begreift und den netzwerkartigen Charakter ihrer Konstruktion offenlegt.