Noch nicht/Nicht mehr

Wir Virtuosen des versäumten Augenblicks

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Paperback
  • 250 Seiten
  • Fadenheftung
  • 22.2 x 14 cm
  • ISBN 9783958320710
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Beschreibung


Dieses Buch bietet ein zunächst liederlich erscheinendes Geflecht aus bunten Fäden, vielen kleinen Stücken aus dem Alltag und aus der Literatur – von Heraklit bis Pooh der Bär, von Derrida bis Friederike Mayröcker, von Goffman bis Luhmann –, die sich aber zu einem eigentümlichen Webmuster zusammenfügen: zu der Figur des notwendig versäumten Augenblicks, notwendig, weil ein Noch Nicht unver-mittelt, aber unvermeidlich in ein Nicht Mehr umschlägt, ohne ein erlösendes 'Jetzt aber!' dazwischen.
'Occasio, die Göttin der Gelegenheit, hat in mittel-alterlichen Beschreibungen ›einen nach vorne fallenden Haarschopf, an dem man sie zu ergreifen hat; wer diesen Augenblick verpasst, hat keine zweite Chance, denn von hinten ist die Dame kahl‹. Die Dame war bei den alten Griechen ein Herr: kairós, und auch der war bereits hinten kahl. In seiner rechten Hand hielt er ein Messer, wie in ›auf des Messers Schneide‹. Der karge Haarwuchs am Hinterkopf des kairós und der Occasio, das ist die kahle Stelle zwischen Noch Nicht und Nicht Mehr.'
Was haben Christian Morgensterns zaudernde Hausschnecke und Heinz Erhards scheuer Kuckuck, König Midas und König Ödipus, Romeo und Julia, Gerhard Schröder und Angela Merkel, Kafkas Mann vor dem Gesetz und die Fallensteller in Wirtschaft mit Forschern gemeinsam, die ihren Gegenstand im Zustand der Unberührtheit berühren möchten?
Sie sind, wie wir alle, teils Virtuosen, teils Opfer des versäumten Augenblicks, einer notwendigen Vergeblichkeit, des uner-warteten, verstörenden Ausbleibens eines 'Jetzt!' zwischen Noch Nicht und Nicht Mehr.
Kommentierend, zuordnend, poetisierend, zuspitzend und überaus vergnüglich führt Günther Ortmann es uns vor.

Günther Ortmann


Günther Ortmann

Günther Ortmann, Organisationstheoretiker und Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Organisation, Theorie der Unternehmung, Macht-und Mikropolitik, Strategisches Management, Organisation und Dekonstruktion, Fiktionen des Organisierens, Organisation und Moral.

Pressestimmen


Zum Schluss noch ein Wort zu meiner persönlichen Empfehlung: Wer einmal durch Günther Ortmann auf die versäumten Augenblicke des ›Noch nicht – nicht mehr‹ hingewiesen worden ist, der wird, wie ich, beinahe täglich weitere Beweise für die Richtigkeit seiner These finden, dass wir in unserem Leben und Arbeiten immer irgendwo dazwischen stehen, d.h. immer der Tücke des Alltags ausgesetzt sind. Das muss uns nicht zur Verzweiflung bringen – verschafft uns aber, wer selbstkritisch und ironisch genug ist, mancherlei Anlass zum Lachen über eben diesen Augenblick und über unsere eigenen Wertschätzungen, die ungenutzt an uns vorüberziehen.
Andreas Wang, NDR Kultur Sachbuchbestenliste, Februar 2016.