Beschreibung
Dieses Buch bringt Systemtheorie und Heilpädagogik in ein vorbehaltloses Zusammenspiel, um die Komplexität menschlichen Erlebens radikal ernst zu nehmen. Vor dem Hintergrund der Theorie Niklas Luhmanns folgt es einer paradox anmutenden Frage, die sich jeder einfachen Lösung entzieht: Wie kann Heilpädagogik Menschen begegnen, die ihr Erleben nicht erleben und deren Erleben sich unserem Erleben grundsätzlich entzieht?
Im Zentrum steht das Thema schwerer kognitiver Beeinträchtigung – und mit ihm die Grenzen von Sinn, Bewusstsein, Sprache, Selbst und Kommunikation. Was bedeutet Erleben dort, wo personale Identität fraglich wird? Und was kann Heilpädagogik leisten, wenn vertraute Vorstellungen von Wahrnehmung, Entwicklung und Kommunikation nicht mehr greifen?
Diese Fragen verdichten sich in der fiktiven Figur »Halima«, einem schwer beeinträchtigten Mädchen im »Sinnschlaf«, das weder sprechen noch sich gezielt bewegen noch bewusst wahrnehmen kann. An ihr entfaltet sich keine Theorie des Defizits, sondern eine Untersuchung von Begriffen wie, unter anderem, Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Bewusstsein, Selbstreferenz, strukturelle Koppelung und Kommunikation. Diese werden nicht abstrakt verhandelt, sondern auf ihre Bedeutung für pädagogisches Handeln hin befragt werden.
Das Buch ist weder Anleitung noch Trosttext, sondern ein Versuch, mit Hilfe von Systemtheorie dort weiterzudenken, wo Sprache und Vorstellungskraft an ihre Grenzen stoßen. Anstelle einfacher Lösungen tritt eine ›sachhaltige Abstraktion‹, die den Gegenstand weder vereinfacht noch vorschnell moralisch auflädt. Es richtet sich an Leserinnen und Leser aus Heilpädagogik, Sozialwissenschaft, Philosophie und Systemtheorie – und an alle, die wissen wollen, wie über Menschen nachgedacht werden kann, deren Welt sich unserem Verstehen entzieht.